Im Jahr 2014 kam im Pinnistal bei Neustift eine Wanderin im Stubaital ums Leben, weil sie von einer Herde Kühe angegriffen wurde. Der Fall aus 2014 macht auch heute einmal Schlagzeilen: Die Familie des Opfers hat Klage eingereicht und fordert vom Landwirt 359.000 Euro Schadenersatz. Der Prozess wurde im Mai auf Oktober vertagt, ist nun aber aktueller denn je: Am gestrigen Mittwoch, 07. Juni 2017, ist bei der Kranzhornalm in Erl erneut eine Frau durch einen Viehangriff gestorben. Die Einheimische aus Kirchdorf, Bezirk Kitzbühel, war mit einer Freundin Richtung Bubenau unterwegs und wollte nur wenige Meter oberhalb der Kranzhornalm ein eingezäuntes Weidestück queren. Beide Frauen waren mit ihren Hunden unterwegs. Auf der Weide befanden sich laut Tiroler Tageszeitung zehn Mutterkühe mit acht Kälbern. Die Kühe griffen die beiden Frauen und die Hunde an und stießen sie nieder.

Während eine der beiden Frauen unverletzt blieb, wurde die 70-Jährige überrannt und tödlich verletzt. Reanimationsversuche der schnell herbeigeilten Hüttenwirtin sowie eines Hüttengastes blieben erfolglos, auch die Sanitäter des gerufenen Notarzthubschraubers konnten nicht mehr helfen. Die Frau erlag ihren schweren Verletzungen, auch ein Hund überlebte den Angriff der Herde nicht.

Warum es zu dem tragischen Unglück kam, ist derzeit noch nicht klar. Es wird vermutet, dass sich die Herde von den Hunden bedroht fühlte und deswegen die Wanderinnen angriff. Bereits nach dem Unfall 2014 startete die Landwirtschaftskammer Tirol sowie der Österreichische Alpenverein eine umfassende Aufklärungskampagne, welches Verhalten auf Almen angebracht ist.

Hier die wichtigsten Tipps im Überblick:

Distanz halten

Wenn möglich, auf dem Wanderweg bleiben und Abstand zu den Rindern bewahren. Versperrt die Herde den Weg, fixiert sie einzelne Wanderer oder zeigt sie sich sehr unruhig, besser einen Umweg machen und in großem Bogen um die Herde herumgehen.

Ruhig verhalten

Neben den Herden keine hektischen Bewegungen machen oder lärmen, nicht wild mit Armen oder Stöcken gestikulieren. Ist die Aufmerksamkeit bereits auf die Wanderer gerichtet, sollten sich diese selbstbewusst (und optimalerweise mit Stock) den Tieren entgegenstellen und sich dann ruhig von der Herde entfernen.

Hunde an die Leine

Hunde können von den Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Deshalb zur Sicherheit an die Leine nehmen und nicht auf den Weiden auf Erkundungstour schicken. Frei lassen sollte man den Hund jedoch, wenn abzusehen ist, dass ein Rind angreifen will.

Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Alpenverein, dazu: "Wenn das Weidevieh anfängt, auf den Hund und damit auch den Hundehalter zuzugehen, sollten Wanderer ihren vierbeinigen Liebling unbedingt von der Leine lassen. Der Hund nimmt mit Leichtigkeit Reißaus und sein Besitzer ist damit auch außer Gefahr."

Kälber nicht streicheln oder füttern

Mutterkühe sehen die Annäherung möglicherweise als Bedrohung für ihren Nachwuchs und möchten ihn verteidigen. Deshalb besser von den Jungtieren Abstand nehmen.

Warnsignale ernst nehmen

Alarmsignale sind ein Senken des Kopfes sowie Scharren oder Brüllen. In einem solchen Fall Ruhe bewahren und langsam die Weide verlassen, ohne den Tieren den Rücken zuzukehren.


Ob die Wanderinnen im aktuellen Fall diese Hinweise beachtet haben oder nicht, ist noch nicht geklärt.