Nationalpark Bayerischer Wald: Im grünen Herz des Kontinents

bergleben.de am 26.07.2010 - 12:54 Uhr
Nationalpark Bayerischer Wald: Im grünen Herz des Kontinents
"Schau mal, da ist einer", ruft das Mädchen mit dem niedlichen dunklen Pferdeschwanz. Aufgeregt zieht es seine Mutter noch ein Stück näher zum Geländer an der Aussichtsbrücke und zeigt hinunter ins weite grüne Areal. Dort ist zwischen Bäumen und Gebüsch ein hundeähnliches Tier mehr zu erahnen als zu erkennen. Spitze Ohren, graues Fell. Ein Hund? Nein, wirklich - ein Wolf! "Joa mei, is der süüüß", findet furchtlos die Kleine auf gut Bayerisch. Sichtlich froh, dass sich die Wartezeit gelohnt hat und nun doch noch so ein sagenhafter Rotkäppchen-Schreck aus dem Dickicht lugt.

Vorsichtig wie ein Luchs
Wir sind im Nationalparkzentrum Falkenstein bei Zwiesel im Bayerischen Wald. Und das Tierfreigelände ist eine tolle Attraktion nicht nur für Kinder. Sind doch hier außer dem gelegentlich sogar stilecht heulenden Wolfsrudel auch noch Wildpferde und Urrinder aus der Nähe zu beobachten. Nicht zu vergessen die Luchse mit ihren lustigen Ohrpuscheln. Gerade jetzt, wo sie Junge haben. Extra niedlich, diese Wollknäuel. Doch heute zieht die Luchs-Mama volle Deckung vor und bleibt mit ihrer wuseligen Kleinfamilie lieber unsichtbar. "Schade", meint denn auch die kleine Tierfreundin und zieht mit Mutti an der Hand dennoch entdeckungslustig weiter. Denn hier gibt es ja noch so viel zu sehen!

40 Jahre Wildnis
Die Steinzeithöhle etwa, in der man sich in die Welt jener urbayerischen Ahnen versetzen kann, die hier vor Jahrtausenden lebten. Oder das Haus der Wildnis, in dem ein spannender 3-D-Film den ganzen wilden Wald atemberaubend nahe erleben lässt. Diese Wildnis, sie liegt ringsum und wartet nur darauf, entdeckt zu werden: der Nationalpark Bayerischer Wald. 1970, also vor genau vierzig Jahren als Deutschlands erster Nationalpark, gegründet, bildet er seit der Grenzöffnung 1989 zusammen mit dem Landschaftsschutzgebiet Sumava im Böhmerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet auf dem Kontinent. Das "grüne Herz Europas". Natur pur auf fast 100000 Hektar. Das frühere Zonenrandgebiet bezaubert mit einmaliger Flora und Fauna. In der jahrzehntelang streng abgeschirmten Region gilt auch weiter das Prinzip "Natur Natur sein lassen", der Mensch soll so wenig wie möglich eingreifen.



Das grüne Herz im Zentrum Europas
Faszinierend ist dabei zu erleben, wie die Natur sich immer wieder selbst hilft. Wo etwa der winzige Borkenkäfer vor rund einem Jahrzehnt die uralten Wälder weithin in eine scheinbar abgestorbene graue Ödnis zerfraß, wächst inzwischen im Schutz der silbrigen Baumskelette eine vielfältige neue Wildnis heran - ein Urwald, wie ihn der Mensch niemals ersinnen könnte. Das spannende Naturphänomen können die Besucher bei Streifzügen mit Rangern beobachten. Luchs und Wolf, sogar Elche kehren zurück. Rauhfußkauz, Hermelin und Molch finden ideale Bedingungen. Siebenstern und Pannonischer Enzian sprießen genauso wie seltene Pilze. Experten zählten rund 1600 Tier- und Pflanzenarten - ein gigantisches Füllhorn der Natur.

Wandeln in Baumkronen
Action und Abenteuer inklusive - für Groß und Klein. Etwa bei der Eroberung des "Urwaldes" aus luftiger Höhe. Einigermaßen schwindelfrei möchte man freilich sein, ansonsten ist es selbst für Rollstuhlfahrer kein Problem, zu den sensationellen Ausblicken zu gelangen, die gleich zwei solcher Wege über den Wipfeln bieten.
Bei St. Engelmar kann man auf einem zwei Meter breiten und fast 400 Meter langen Waldwipfelweg quasi zwischen den Bäumen schweben mit Super-Ausblick über Bayernwald und Donautal. Noch spektakulärer ist die neueste Attraktion: der weltweit größte Baumwipfelpfad in Neuschönau. Der schlängelt sich bis zu 25 Meter hoch über 1,3 Kilometer durch Buchen, Tannen und Fichten. Höhepunkt ist ein Baumturm. Wie ein Bienenkorb ragt dessen originelle Holzkonstruktion aus den grünen Wipfeln. In bequemen Wegspiralen geht es immer rundherum bis zur Plattform in 44 Metern Höhe.

Für Naturverliebte
Der Panoramablick von hier oben lohnt die Mühe allemal - über Hunderte Kilometer breitet sich das grüne Meer des Bayerischen und des Böhmischen Waldes vor den Augen der Besucher aus. Der Pfad endet zu ebener Erde beim Nationalparkzentrum Lusen. Ähnlich wie im Zentrum Falkenstein bietet hier das "Hans-Eisenmann-Haus" anregende multimediale Einblicke ins Waldleben. Und auch unsere kleine Tierfreundin käme hier voll auf ihre Kosten. Im nahen Freigelände fühlen sich in weiträumigen Landschaftsgehegen neben anderen tierischen Waldbewohnern auch Wolf und Braunbär wohl. Um die von ganz nah beobachten zu können, braucht es freilich Geduld - hier wie dort.

Weitere Informationen:
Das Jubiläums-Fest: "40 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald" wird vom 7. bis 10. Oktober in Neuschönau mit einem großen Fest der Regionen begangen.

Autorin: Margit Boeckh
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