Interview mit Manuel Andrack: "Wandern im Mittelgebirge ist nicht doof und spießig"

bergleben.de am 15.04.2011 - 09:22 Uhr
Interview mit Manuel Andrack: © Manuel Andrack

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Teil zwei des Interviews mit Buchautor und Fernsehjournalist Manuel Andrack ...

bergleben.de: Neben dem Buch erschien im März der NRW-Wanderführer 'Wunderbar wanderbar'. Wandern mit Bus und Bahn - Sie begleiten das Projekt ja schon länger. Wieso ist das spannend?
Manuel Andrack: Es geht darum, den Menschen zu sagen: Wenn ihr am Wochenende Wandern wollt, dann lasst das Auto stehen und fahrt mit der Bahn. Ich wurde damals gefragt und fand das eine glückliche Mischung, weil ich jemand bin, der gerne wandert und bis zum heutigen Tag keinen Führerschein hat.

bergleben.de: Tatsächlich?
Manuel Andrack: Ja, ich mach' ihn zwar gerade, aber das ist eine andere Geschichte. Bis dato, was ich alles abgewandert bin in den deutschen Mittelgebirgen bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen, wo mich dann einer mitgenommen hat, hab ich mir mit dem öffentlichen Nahverkehr erwandert. Es geht. Das aktuelle Heft ist jetzt so richtig mein Baby. Ich habe alle Wege ausgesucht, bin alle vorab abgegangen und habe sie mit den Andrack-Sternen bewertet. Ich fand es reizvoll, diese Auswahl unter genau dieser Prämisse zu treffen: Ich bastel' mit die schönsten Wege in NRW zusammen, die erreichbar sind mit Bahn und Bus.



bergleben.de: Das hat viel mit Naturverständnis zu tun. Nicht mit dem Auto überall hinzufahren. Haben Sie das Gefühl, dass Wandern in dieser Weise auch bei den Menschen ankommt, dass die Wanderer dass auch so bewerten?
Manuel Andrack: Ja, absolut. Natürlich - da müssen wir uns nichts vormachen - die meisten fahren zum Wandern mit dem Auto. Aber selbst die würden kotzen, wenn sie beim Wandern die ganze Zeit die Straße hören würden. Natur erleben, das ist der entscheidende Aspekt für jeden Wanderer. Stichwort 'Grüneres Denken': Schön ist, wenn man dann nicht sagt: Wandern auf Madeira ist so toll, oder auf 5.000 Metern Höhe in Nepal und vorher ordentlich Kerosin verbraten, sondern dass man sagt, Wandern im deutschen Mittelgebirge ist nicht doof und spießig. Es macht Spaß, ist bei mir vor der Haustür und ist in sofern nachhaltig, dass ich nicht hohe Energiekosten aufbringen muss, um da hinzukommen.

bergleben.de: Wie ist es beim Wandern selber? Zum Beispiel in Bezug auf Müll? Oder haben Sie Umweltsünden begangen, die Ihnen heute peinlich sind?
Manuel Andrack: Also ich habe mir mal 'ne schicke Blume abgepflückt und habe dafür vom Mitwanderer Schelte bekommen, weil man das natürlich nicht macht. Ganz entscheidend ist ja heute auf den Wanderwegen: Es gibt tolle Bänke, ergonomisch und alles, aber keine Mülleimer mehr. Was der Wanderer mitnimmt, das muss er eben auch wieder mit nach Hause nehmen. Im Gegensatz zu Menschen auf der Straße, wo man häufiger sieht, dass einer mal etwas wegwirft, kenne ich das aus dem Wald nicht.

bergleben.de: Ihre 'Kauftipps' im Buch gehen zum Teil in eine andere Richtung ...
Manuel Andrack: Jaaa, immerhin ist um Ordnung zu halten auch der Wander-Handfeger dabei ... Nein, dafür habe ich mich stundenlang durch den Katalog geblättert und mir die skurrilsten Sachen rausgesucht.

bergleben.de: Im NRW-Ratgeber wird auch der schönste Wanderbahnhof gesucht. Kriterien sind zum Beispiel, dass man sich verpflegen kann und sofort loswandern. Wandern scheint 'grün' zu sein, Baden-Württemberg ist es ja seit der letzten Landtagswahl auch. Welche Chancen hätte eigentlich 'Stuttgart 21' als Wanderbahnhof, wenn er denn kommt?
Manuel Andrack: Stuttgart 21 wäre wohl ein bisschen zu großstädtisch. Obwohl das gerade in Stuttgart interessanterweise funktioniert: In meinem zweiten Wanderbuch habe ich eine Wanderung durch Stuttgart beschrieben. Und die geht direkt vom Hauptbahnhof los. Dann gibt's über zwölf Kilometer das 'Grüne U'. Das sind Parkanlagen und Bundesgartenschaugelände aneinandergereiht. Auf die Distanz muss man kein einziges mal über eine Ampel oder Straße.

bergleben.de: Die Chancen stehen also gar nicht mal schlecht ...
Manuel Andrack: Der hätte gute Chancen!

bergleben.de: Sie haben die Wandersaison natürlich längst begonnen. Was für eine Wanderung empfehlen Sie im Frühjahr?
Manuel Andrack: Pff. Irgendwas, wo es blüht. Wo Kirschen und Magnolien stehen. Im Prinzip ist es jetzt überall geil.

bergleben.de: Dann nichts wie raus! Danke für das Interview.

Das Interview führte Ingo Lemmer

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