Wandern in Hohenlohe: Gute Aussichten zwischen Jagst und Kocher
bergleben.de am 02.09.2010 - 14:25 Uhr
© HS Tourismus e.V.
Der Mann hat in den 71 Jahren seines Lebens locker die Erde umrundet. Und das ohne in ein Flugzeug zu steigen. Dr. Konrad Lechner, weißhaarig und wettererprobt, bleibt lieber auf dem Boden und in der näheren Umgebung. Da kennt sich der promovierte Naturwissenschaftler aus wie in der buchstäblichen Westentasche. Schließlich hat er einige Wanderwege in Deutschland selbst entwickelt.
Auch beim neuen Kocher-Jagst-Trail im Hohenloher Land hat der Mann mit dem verschmitzten Lächeln die Hände oder besser die Füße im Spiel gehabt. Von Blaufelden aus hat er drei Steige konzipiert - den Jagststeig, den Bühler Steig und den Kocher Steig - und dabei fünf Bahnhöfe eingebaut. Die öffentlichen Verkehrsmittel gehören für den erfahrenen Wandersmann dazu, erlauben sie doch eine umweltfreundliche An- und eine individuelle Abreise.
Ausgangspunkt der Wanderung ist Schwäbisch-Hall, ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch mit alten Stadtmauern und Holzbrücken, mit Türmen und Fachwerkhäusern und der sich hoch über dem Marktplatz erhebenden gotischen St. Michaels Kirche. Im Sommer lockt hier das dem Shakespearschen Original nachempfundene Globe Theater zu Freilichtspielen und am anderen Ufer des Kocher schlägt die Kunsthalle Würth mit ihren lichten hohen Räumen den Bogen zur Gegenwart.
Konrad Lechner ist der gute Geist dieser ersten Wanderung über Stock und Stein. Schließlich hat er in jahrelanger Kleinarbeit den neuen Weg ausgetüftelt, abseits der Straßen aber nahe dran an sehenswerten Orten und der Schiene. Jetzt ist der 200 Kilometer lange Trail durchgehend markiert und ausgeschildert. Auch ohne GPS oder Wanderkarte sollen sich die Wanderer hier zurechtfinden. So will es der deutsche Wanderverband, der zusammen mit Hohenlohe Tourismus die Idee zum Trail hatte.
So ganz klappt das noch nicht. Manchmal gibt die Markierung Rätsel auf, wenn an einem Baum die Pfeile in entgegengesetzte Richtung weisen, weil man den Weg von beiden Seiten begehen kann. Oder wenn an einer Weggabelung die Markierung völlig fehlt. Dann schüttelt der Konrad sein weißes Haupt und murmelt etwas von Schlamperei.
Bis zur Zertifizierung im Herbst - ja, auch Wanderwege werden zertifiziert - muss alles perfekt sein. Nur, wenn der Weg nicht mehr als drei Kilometer "Hartbelag" hat, wenn er nicht mehr als 300 Meter ungesichert entlang einer Straße führt, wenn es ausreichend Bänke und Aussichtspunkte gibt und wenn die Markierung stimmt, dann bekommt er das Siegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland". Rund 100000 Euro, schätzt der Konrad, koste die Entwicklung eines neuen Weges, allein ein Zehntel davon verschlingt die Markierung. Aber fürs Marketing sei so ein Siegel "ein unvorstellbarer Vorteil". Das Hohenloher Land jedenfalls wirbt schon jetzt mit dem neuen Kocher-Jagst-Trail. Und auf dem Titelblatt ist das saarländische Pärchen abgebildet, das bei dieser Wanderung mit von der Partie ist.
Sven (28) und Nadine (26) fallen auf in der 40-köpfigen Gruppe mehrheitlich mittelalter bis alter Wanderer. Der nette Junge von nebenan und die hübsche Blonde, zartgliedrig wie Tolkiens Elbenkönigin Galadriel, sind am liebsten zu Fuß unterwegs - im Mittelgebirge. Vor drei Jahren haben sie beim Wandermagazin die Teilnahme an der Aktion "fünf Wochen, fünf Trails" gewonnen und waren mit einer kleinen Gruppe auf deutschen Steigen unterwegs. Auch damals schon mit Konrad Lechner. Die Begeisterung fürs Wandern hat offensichtlich angehalten.
Ein Kuckuck ruft, ein babyblauer Himmel spannt sich über dem lieblichen Jagsttal, die letzten Rapsfelder leuchten im Sonnenlicht als hätte van Gogh sein Sonnenblumengelb über sie ausgeschüttet, fast durchscheinend ist das zarte Grün der Blätter. Der Weg führt bergauf und bergab, hinunter zur Jagst und hinauf zum Schloss Tierberg, dem die Schriftstellerin Agnes Günther (1863 - 1911) in ihrem Erfolgsroman "Die Heilige und ihr Narr" als Schloss Schweigen ein literarisches Denkmal gesetzt hat.
Auch das Schloss derer zur Langenberg ist vom Weg aus hin und wieder zu erspähen - zwischen den Zweigen der Bäume. Die Orte machen sich rar in dieser Berg-und-Tal-Landschaft, in der oft nur die allgegenwärtigen "Steinriegel" davon zeugen, dass hier auch Menschen leben. Vor allem Weinbauern hatten im späten Mittelalter diese Steinwälle aus den Muschelkalkböden aufgehäuft. Heute sind sie Wärme speichernde Biotope, in denen sich auch Eidechsen und Blindschleichen wohl fühlen. Die kleine Schlange auf dem Wanderweg hatte sich wohl verirrt und war von der ungewohnten Kälte wie erstarrt. Den Wanderern dagegen war ganz schön warm geworden. Immer forscher marschiert der Konrad voran. 23,5 Kilometer wollen auf dieser Tagesetappe bewältigt werden. Ein Ehepaar hat sich schon verabschiedet, das Paar mit Hund bleibt in Unterregenbach zurück, eine müde Wanderin verarztet ihre Blasen und schließt sich den Aussteigern an.
Die letzten Kilometer ziehen sich. Man glaubt gar nicht, wie lang 1000 Meter sein können. "Noch zweieinhalb Kilometer", sagt eine alte Dame und rammt ihre Stöcke energisch in den Waldboden. "Das schaffen wir auch noch." 72 ist sie und nicht so leicht zu erschüttern. Als dunkle Wolken den Himmel verdüstern und ein Schauer niedergeht, packt sie aus ihrem Rucksack kurzerhand ein großes Regencape. Weiter geht's. So ein Regenguss kann doch eine Wandersfrau nicht erschüttern.
Autorin: Simone F. Lucas
Auch beim neuen Kocher-Jagst-Trail im Hohenloher Land hat der Mann mit dem verschmitzten Lächeln die Hände oder besser die Füße im Spiel gehabt. Von Blaufelden aus hat er drei Steige konzipiert - den Jagststeig, den Bühler Steig und den Kocher Steig - und dabei fünf Bahnhöfe eingebaut. Die öffentlichen Verkehrsmittel gehören für den erfahrenen Wandersmann dazu, erlauben sie doch eine umweltfreundliche An- und eine individuelle Abreise.
Ausgangspunkt der Wanderung ist Schwäbisch-Hall, ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch mit alten Stadtmauern und Holzbrücken, mit Türmen und Fachwerkhäusern und der sich hoch über dem Marktplatz erhebenden gotischen St. Michaels Kirche. Im Sommer lockt hier das dem Shakespearschen Original nachempfundene Globe Theater zu Freilichtspielen und am anderen Ufer des Kocher schlägt die Kunsthalle Würth mit ihren lichten hohen Räumen den Bogen zur Gegenwart.
Konrad Lechner ist der gute Geist dieser ersten Wanderung über Stock und Stein. Schließlich hat er in jahrelanger Kleinarbeit den neuen Weg ausgetüftelt, abseits der Straßen aber nahe dran an sehenswerten Orten und der Schiene. Jetzt ist der 200 Kilometer lange Trail durchgehend markiert und ausgeschildert. Auch ohne GPS oder Wanderkarte sollen sich die Wanderer hier zurechtfinden. So will es der deutsche Wanderverband, der zusammen mit Hohenlohe Tourismus die Idee zum Trail hatte.
So ganz klappt das noch nicht. Manchmal gibt die Markierung Rätsel auf, wenn an einem Baum die Pfeile in entgegengesetzte Richtung weisen, weil man den Weg von beiden Seiten begehen kann. Oder wenn an einer Weggabelung die Markierung völlig fehlt. Dann schüttelt der Konrad sein weißes Haupt und murmelt etwas von Schlamperei.
Bis zur Zertifizierung im Herbst - ja, auch Wanderwege werden zertifiziert - muss alles perfekt sein. Nur, wenn der Weg nicht mehr als drei Kilometer "Hartbelag" hat, wenn er nicht mehr als 300 Meter ungesichert entlang einer Straße führt, wenn es ausreichend Bänke und Aussichtspunkte gibt und wenn die Markierung stimmt, dann bekommt er das Siegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland". Rund 100000 Euro, schätzt der Konrad, koste die Entwicklung eines neuen Weges, allein ein Zehntel davon verschlingt die Markierung. Aber fürs Marketing sei so ein Siegel "ein unvorstellbarer Vorteil". Das Hohenloher Land jedenfalls wirbt schon jetzt mit dem neuen Kocher-Jagst-Trail. Und auf dem Titelblatt ist das saarländische Pärchen abgebildet, das bei dieser Wanderung mit von der Partie ist.
Sven (28) und Nadine (26) fallen auf in der 40-köpfigen Gruppe mehrheitlich mittelalter bis alter Wanderer. Der nette Junge von nebenan und die hübsche Blonde, zartgliedrig wie Tolkiens Elbenkönigin Galadriel, sind am liebsten zu Fuß unterwegs - im Mittelgebirge. Vor drei Jahren haben sie beim Wandermagazin die Teilnahme an der Aktion "fünf Wochen, fünf Trails" gewonnen und waren mit einer kleinen Gruppe auf deutschen Steigen unterwegs. Auch damals schon mit Konrad Lechner. Die Begeisterung fürs Wandern hat offensichtlich angehalten.
Ein Kuckuck ruft, ein babyblauer Himmel spannt sich über dem lieblichen Jagsttal, die letzten Rapsfelder leuchten im Sonnenlicht als hätte van Gogh sein Sonnenblumengelb über sie ausgeschüttet, fast durchscheinend ist das zarte Grün der Blätter. Der Weg führt bergauf und bergab, hinunter zur Jagst und hinauf zum Schloss Tierberg, dem die Schriftstellerin Agnes Günther (1863 - 1911) in ihrem Erfolgsroman "Die Heilige und ihr Narr" als Schloss Schweigen ein literarisches Denkmal gesetzt hat.
Auch das Schloss derer zur Langenberg ist vom Weg aus hin und wieder zu erspähen - zwischen den Zweigen der Bäume. Die Orte machen sich rar in dieser Berg-und-Tal-Landschaft, in der oft nur die allgegenwärtigen "Steinriegel" davon zeugen, dass hier auch Menschen leben. Vor allem Weinbauern hatten im späten Mittelalter diese Steinwälle aus den Muschelkalkböden aufgehäuft. Heute sind sie Wärme speichernde Biotope, in denen sich auch Eidechsen und Blindschleichen wohl fühlen. Die kleine Schlange auf dem Wanderweg hatte sich wohl verirrt und war von der ungewohnten Kälte wie erstarrt. Den Wanderern dagegen war ganz schön warm geworden. Immer forscher marschiert der Konrad voran. 23,5 Kilometer wollen auf dieser Tagesetappe bewältigt werden. Ein Ehepaar hat sich schon verabschiedet, das Paar mit Hund bleibt in Unterregenbach zurück, eine müde Wanderin verarztet ihre Blasen und schließt sich den Aussteigern an.
Die letzten Kilometer ziehen sich. Man glaubt gar nicht, wie lang 1000 Meter sein können. "Noch zweieinhalb Kilometer", sagt eine alte Dame und rammt ihre Stöcke energisch in den Waldboden. "Das schaffen wir auch noch." 72 ist sie und nicht so leicht zu erschüttern. Als dunkle Wolken den Himmel verdüstern und ein Schauer niedergeht, packt sie aus ihrem Rucksack kurzerhand ein großes Regencape. Weiter geht's. So ein Regenguss kann doch eine Wandersfrau nicht erschüttern.
Autorin: Simone F. Lucas
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