Packen für eine Trekkingtour: Was man wirklich braucht ...

bergleben.de/Gerda Moritz am 19.09.2011 - 09:39 Uhr
Packen für eine Trekkingtour: Was man wirklich braucht ... © bergleben.de
Das Entscheidende bei einer Trekkingtour ist wohl die Tatsache, dass man alles, was man mitnehmen möchte, auf dem Rücken trägt. Was man nicht dabei hat oder nicht tragen kann, fehlt auf der Tour. Ist man erst mal gestartet, kann man auch nichts mehr nach kaufen. Es ist also wichtig, sich vorher Gedanken darüber zu machen, was man unbedingt braucht und auf was man verzichten kann. Denn schon beim ersten Anstieg merkt man jedes Gramm. Wir wollen euch an einem anschaulichen Beispiel darstellen, welche Dinge auf einer Wandertour unbedingt dabei sein sollten. Dafür nehmen wir euch mit - auf unsere Tour durch die Hardangervidda in Norwegen.

Start: Am Anfang war das Wasser

Es ist ein Uhr mittags. Wir sind gerade aus dem Zug gestiegen. Wir stehen am Gleis der höchsten Bahnstation Norwegens in Finse, auf 1220m. Es gießt in Strömen. Vor uns liegen mehrere Stunden Fußmarsch. Wir brauchen: Eine wasserdichte Hülle für unsere Karte, Regencape und Regenjacke, wasserdichte Schuhe. Wir sind motiviert und starten Richtung Süd-Ost. In sieben Tage wollen wir einen Teil von Norwegens größter Hochebene durchqueren und den Ort Geilo erreichen. Unsere Rucksäcke wiegen zwischen 15 und 17 Kilogramm.

Nebel und zum Glück ein GPS-Gerät

Wir sind vom Weg abgekommen. Der Gletscher, den wir eigentlich nur aus der Ferne sehen sollten, liegt plötzlich direkt neben uns. Die spärlichen Markierungen haben nun ganz aufgehört. Um uns zu orientieren steigen wir auf eine kleine Erhöhung. Oben angekommen zieht eine dichte Wolke ein und versperrt uns jegliche Sicht. Es wird kalt und nass. Wir brauchen: Einen warmen Fleece-Pulli, Mütze, Handschuhe, das GPS-Gerät, um den Weg wieder zu finden, den wir gekommen sind und Schokolade für neue Energie.

Direkt vorm Gletscher - Der Hardangerjøkulen
Foto: Direkt vorm Gletscher - Der Hardangerjøkulen
Rechte: Damian Trilling


Erste Nacht: kalt, windig, feucht

Ganze zwei Stunden sind wir im Regen in die falsche Richtung gelaufen. Nach weiteren zwei Stunden Rückmarsch finden wir die richtige Abzweigung. Unser Tagesziel liegt in weiter Ferne. Außerdem sind wir nass und müde. Wir suchen einen Zeltplatz und flüchten ins Trockene. Wir brauchen: Eine Rettungsdecke als Zeltunterlage (der Untergrund ist nass und moorig), zusätzliche Sturmleinen für das Zelt, ein zweites Feuerzeug, weil das eine nicht funktioniert oder wasserfeste Streichhölzer. Im Vorzelt schmeißen wir den Gaskocher an und sorgen erst mal für unsere leeren Mägen. Die erste Nacht kann kommen. Wir brauchen: Warme Unterwäsche, trockene Socken, Mütze, Kopflampe um nachts die Zeltleinen zu kontrollieren (es stürmt immer noch).

Zeltplatz in der Nähe vom Startpunkt bei Finse
Foto: Zeltplatz in der Nähe vom Startpunkt bei Finse
Rechte: Gerda Moritz


Der Tag danach: Sonne!

Der nächste Tag entschädigt für die Strapazen in Regen und Sturm. Wir haben Glück und gegen Mittag kommt tatsächlich die Sonne raus. Wir packen unsere Rucksäcke, steigen in die feuchten Socken und Wanderstiefel und laufen los. Wir haben jetzt beste Aussicht auf den Gletscher und versuchen, die verlorene Zeit vom Vortag wieder aufzuholen. Den Ausblick genießen können wir jedoch nur bei Trink- und Essenspausen. Beim Laufen liegt die ganze Aufmerksamkeit auf dem nächsten Tritt, von Stein zu Stein, über Bäche und zwischen Pfützen und Grasbüscheln hin und her. Wir brauchen: Sonnenbrille, Sonnencreme, Fotoapparat für die tolle Aussicht, viel Wasser, der Weg ist anstrengend.

Steine, soweit das Auge reicht
Foto: Steine, soweit das Auge reicht
Rechte: Damian Trilling


Ein Platz am See: Mücken und Blasenpflaster

Die Landschaft der Hardangervidda ist beeindruckend. So weit das Auge reicht, ist man umgeben von rauem Geröll, klaren Seen und einer unglaublichen Vielfalt an grünen Moosen und Flechten. Nur eines sieht man nicht: Zivilisation. Am frühen Abend finden wir an einem See die Möglichkeit unser Zelt aufzustellen. Erschöpft lassen wir uns ins Gras fallen und befreien unsere Füße von den schweren Schuhen. Ein langer Weg liegt hinter uns. Die Füße sind zum Teil in den feuchten Schuhen aufgescheuert. Wir brauchen: Blasenpflaster und Tape, Mückenspray (die Mücken waren zuerst da), eine Magnesiumtablette, um Krämpfen in den Waden vorzubeugen, Sportsalbe gegen Schmerzen in den Schultern, einen warmen Kakao.

Picknick mit Tubenkäse – und Fotos für zu Hause

Es geht weiter. Wir haben Glück, das Wetter bleibt trocken. Aber es weht ein kühler Wind. Menschen treffen wir nur wenige. Meist Norweger, die mit einem Tagesrucksack von Hütte zu Hütte laufen. Bei uns gibt es mittags ein Picknick mit Knäckebrot und Tubenkäse (sowas ist in Norwegen normal). Wir machen viele Fotos und versuchen, die Weite der Ebene und die Unberührtheit der Natur festzuhalten. Am Nachmittag kommen wir an einer bewirtschafteten Hütte vorbei und gönnen uns einen kurzen Aufenthalt im Gastraum. Hier planen wir noch einmal unsere Route und notieren uns die Buszeiten für den Ort Haugastøl. Wir brauchen: Eine windfeste Jacke, Ersatzbatterien für den Fotoapparat und das GPS, norwegisches Wörterbuch, Taschenmesser fürs Picknick, Stift, um die Buszeiten zu notieren (ok, ins Handy kann man es auch eintippen).

Wolkenmeer in der Hardangervidda
Foto: Wolkenmeer in der Hardangervidda
Rechte: Damian Trilling


Baden im See und warmes Müsli am Morgen

Unsere Tour nähert sich dem Ende. Nach mehreren Tagen in der Wildnis freuen wir uns auf frisches Obst, fließend warmes Wasser und ein weiches Bett. Andererseits lässt uns schon der Blick auf die ersten Stromleitungen wehmütig werden, die Ruhe und Einsamkeit zu verlassen. Und so genießen wir den letzten Abend am „eigenen“ See in der menschenleeren Vidda. Wir wollen natürlich nicht völlig ungewaschen im Ort ankommen, daher beschließen wir die Temperaturen des Sees zu testen. Wir brauchen: Ökologisch abbaubare Seife, ein Microfaserhandtuch, Mut. Am nächsten Morgen wird ein letztes Mal der Gaskocher gestartet und das bewährte Müsli zubereitet. Wir brauchen: Trockenmilch, Müsli, Zimt und Zucker (eine gefüllte Filmdose reicht für eine Woche). Dann machen wir uns an den Abstieg.

Ziel: Zurück in der Zivilisation

Nach zwei Stunden Fußmarsch bergab, stehen wir wieder auf Asphalt. Ein komisches Gefühl. Da kommen auch schon die ersten Autos an uns vorbei gefahren. Wir sind zurück. Der Bus bringt uns nach Geilo. Von dort aus geht es weiter nach Oslo. Im Zug zum Flughafen bewerten wir unsere Packliste. Must have: Toilettenpapier in eigener Plastiktüte, das sollte wirklich nicht nass werden, Schuhfett, um Schuhe nachträglich zu imprägnieren (sollte man vor der Wanderung natürlich schon gemacht haben), wirklich dichte Regenjacke, besser noch ein Regencape, dass über den Rucksack geht, warme Unterwäsche, wenn es nachts kalt wird. Es ist acht Uhr abends. Wir steigen in den Flieger. Vor uns liegen noch viele weitere Touren.
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