Alpenstadt des Jahres 2011: Idrija in Slowenien gewählt

bergleben.de am 13.04.2010 - 15:12 Uhr
Alpenstadt des Jahres 2011: Idrija in Slowenien gewählt © Verein Alpenstadt des Jahres
Am 9. April 2010 wurde die slowenische Stadt Idrija offiziell zur "Alpenstadt des Jahres 2011" erklärt. Die Stadt wurde damit insbesondere für die starke Inwertsetzung ihres Umwelt- und sozialen Kapitals ausgezeichnet.

Erfolgreiches Zentrum der High-Tech-Industrie
Die Suche nach Lösungen für Probleme, die im Zusammenhang mit der Quecksilberförderung entstehen und ein einzigartiges soziales Netzwerk sind Beispiele dafür. Von der ehemaligen Hauptstadt des Quecksilbers" hat sich die Stadt im Laufe der Zeit in ein erfolgreiches Zentrum der High-Tech-Industrie entwickelt. Die Arbeitslosigkeitsquote steht auf null Prozent. Die slowenische Stadt Idrija konnte die internationale Jury davon überzeugen, dass sie bereit und in der Lage ist, sich mit den Protokollen der Alpenkonvention in jeder Hinsicht auseinander zu setzen und diese auch in die tägliche Arbeit der Kommune einzubringen und umzusetzen.

Vom Quecksilber zu den Spitzen bis zur High-Tech-Industrie
Mit ihren rund 12.000 Einwohnern liegt Idrija zwischen Talengen im Alpenvorland am südöstlichen Rand des Alpenbogens. Die Stadt war 500 Jahre weltbekannt für ihre zweitgrößte Quecksilbermine der Welt. Sie lockte somit Experten und Expertinnen aus ganz Europa und Arbeiter aus den Nachbarländern. Die Frauen der Arbeiter waren mit der Produktion der Spitze beschäftigt. Die Knüpftechniken wurden in Idrija so perfektioniert, dass "Idrianische Spitze" nach ganz Europa exportiert wurde. Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts geriet die Mine in eine Krise und 1988 war es mit dem Quecksilberabbau endgültig vorbei. Trotzdem hat es die Stadt geschafft, sich in ein wichtiges Zentrum der High-Tech-Industrie zu entwickeln, so dass jetzt die Arbeitslosigkeit praktisch auf null Prozent steht.

Bewusstsein für Umsetzung der Alpenkonvention stärken
Die enorme Giftigkeit des Quecksilbers und die damit verbundene niedrige Lebenserwartung der im Bergbau Beschäftigten führte sehr früh zu einem ausgeklügelten Sozialsystem für die Hinterbliebenen Witwen und Kinder der Arbeiter. Von diesem Sozialsystem profitiert die Stadt noch heute sehr stark. Mit der Verleihung des Titels "Alpenstadt des Jahres 2011" ermuntert die Jury die Behörden der Stadt Idrija, das Bewusstsein für die Umsetzung der Alpenkonvention innerhalb der Stadtverantwortlichen und gegenüber der Bevölkerung der Kommune und des Umlands zu
stärken. Die Auszeichnung soll die bestehenden Bestrebungen unterstützen und Mut machen für die Initiierung neuer Projekte. Der Titel ist zudem eine Einladung an die Bevölkerung und alle gesellschaftlichen Gruppierungen, sich während eines Jahres vertieft mit der "doppelten" Identität - der städtischen und der alpinen - auseinanderzusetzen und sich mit Nachbargemeinden und den anderen Alpenstädten zu vernetzen.

Diskussion der Pläne von Idrija für 2011
Am 9. April hat in Idrija ein Impuls-Workshop stattgefunden, an dem die Stadt den VertreterInnen des Vereins Alpenstadt des Jahres ihre geplanten Alpenstadt-Aktivitäten für das kommende Jahr präsentiert hat. Unter den vorgesehenen Projekten wurden die Errichtung eines "Geo-Parks" (als logische Fortsetzung der Geschichte), der Ausbau des Radwegenetzes, eine Studie zur Klimaneutralität und die Umsetzung von Massnahmen gegen die Lichtverschmutzung besonders positiv eingeschätzt. Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Alpenkonvention wurden diskutiert.

Das Label "Alpenstadt des Jahres" erhält seit 1997 jährlich eine Stadt im europäischen Alpenraum von Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien, die sich für eine nachhaltige und zukunftsweisende Entwicklung ihrer Stadt und ihrer Region
einsetzt. Die Auszeichnung wird auf Vorschlag einer internationalen Jury vom Verein Alpenstadt des Jahres e.V. verliehen.


Verein Alpenstadt des Jahres

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