Geocaching: Moderne Schnitzeljagd mit Internet und Navigationsgerät

bergleben.de am 09.09.2009 - 18:27 Uhr
Geocaching © Till Gottbrath
Ein Mann mit Dreitagebart und einem Filzhut auf dem Kopf, seine lederne Peitsche hat er fest in der Hand. Der Auftrag: Finde die verschollene Bundeslade der Bibel bevor die Nazis es tun. Die wohl bekannteste Schatzsuche der Filmgeschichte nimmt ihren Lauf. Was dem Indiana Jones die Bundeslade, ist dem heutigen Freizeitschatzsucher der so genannte Cache. Geocaching heißt der boomende Freizeitspaß mit Ursprung in den USA. Ziel ist es, mit Hilfe eines Navigationsgeräts einen versteckten Schatz zu finden. Die Koordinaten dazu gibt es im Internet. Schnitzeljagd 2.0 eben!

Dave Ulmer - Vater des Geocachings
Wir schreiben den 3. Mai 2000 - ein Tag zur Freude für den Amerikaner Dave Ulmer. Kurz zuvor hatte der US-Präsident Bill Clinton verkündet, dass das GPS (Global Positioning System) nun auch für den zivilen Bereich störungsfrei zu nutzen sei. Um das zu feiern, versteckte Ulmer in den Wäldern von Portland einen Plastikeimer mit diversem Krimskrams. Die Koordinaten seines „Schatzes“ veröffentlichte er in einer Internet-User-Group. Daraufhin begaben sich die anderen Mitglieder dieser Gruppe mit ihren GPS-Geräten auf die Suche. Innerhalb eines Tages wurde der Plastikeimer gefunden: Die Geburtsstunde von Geocaching! Wie im Lauffeuer verbreiteten sich daraufhin in Kalifornien, Kansas und Illinois weitere Verstecke. Laut geocaching.com, dem führenden Portal für die moderne Schnitzeljagd, gibt es mittlerweile 900.000 so genannte Caches, diese befinden sich rund um den Globus.

100.000 Schätze in Deutschland
Alleine in Deutschland sind über 100.000 Schätze versteckt. Die Grundausstattung für den modernen Schatzsucher ist dabei ganz simpel. Es reicht „ein GPS-Gerät, ein Computer, ein kostenloser Account auf einer der Geocaching-Webseiten und natürlich Spaß an der Sache“, erklärt Olaf Pfeiffer, einer der führenden Geocaching-Experten, in einem Interview mit dem GPS-Gerätehersteller Garmin. Wer nicht mit den Funktionsweisen eines GPS-Empfängers vertraut ist, braucht sich trotzdem nicht abschrecken zu lassen: „Inzwischen werden Geocaching-Kurse angeboten, in denen man die Basics lernt. Auch Internet-Foren geben Aufschluss“, informiert Olaf Pfeiffer weiter. Die meisten versteckten Schätze bestehen mindestens aus einem Stift und einem Logbuch, die in einem wasserdichten Behälter verpackt sind.

Traditional Caches
Das Logbuch bietet entweder Informationen zum Schatz und seinem Verstecker (Owner), dient aber in erster Linie als Gästebuch, in dem der Finder sich einträgt. Diese einfachen Schätze, Traditional Caches genannt, beinhalten auch gerne kleine Tauschgegenstände: „Der Finder des Schatzes darf diesen Gegenstand behalten, muss ihn dann jedoch durch einen anderen, gleich- oder höherwertigen Gegenstand ersetzen, damit der nächste Schatzsucher nicht leer ausgeht. Was versteckt wird, hängt natürlich auch immer von der Größe des Caches ab“, so Pfeiffer. Neben den zahlreichen traditionellen Schätzen gibt es eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten. Auf der Suche nach so genannten Multi-Caches müssen beispielsweise Zwischenstationen passiert und verschiedene Rätsel gelöst werden. Bei Mystery- oder Puzzle-Caches gilt es, Codes zu knacken, um an den Schatz zu kommen. Der Phantasie für Caches sind damit keine Grenzen gesetzt.


Mit Navigationssystem zum Schatz
„Was kann denn daran so spannend sein, mit einem GPS-Gerät die Koordinaten zu einem bestimmten Cache abzulaufen“, werfen Skeptiker des neuen Hobbybooms ein. Fast jeder heutige Autofahrer benutzt in seinem Fahrzeug ein Navigationssystem. Das einstige Wunderwerk der Technik ist längst entzaubert. Aber ganz so einfach, wie sich Geocaching anhört, ist es nun auch wieder nicht: „Im Gegensatz zur Autonavigation lässt sich durch die Natur nämlich nicht mit ein paar Handgriffen auf dem schnellsten Weg von A nach B routen“, informiert Markus Gründel, Autor des Fachbuches „Geocaching“. „Man folgt der Kompasspeilung und weiß immer, wie weit man vom Cache entfernt ist. Aber auf dem Weg muss man Hindernisse wie Wälder, Häuser, Flüsse und Schluchten umgehen oder überwinden.“

Indiana Jones lässt grüßen
Wohl war, viele Schätze sind an sehr originellen Plätzen versteckt. Unter Umständen erfordern diese eine spezielle Ausrüstung wie Metalldetektoren oder Nachtsichtgeräten. Auch sportliches Talent ist nicht selten gefragt. Gerade so genannte Kletter- oder Tauchercaches sind nicht für jedermann gedacht. Eine dementsprechende Ausbildung ist also ein Muss! Aber keine Angst: In der Regel gehört zu jedem Schatz eine ausgiebige Beschreibung, die auf die jeweiligen Umstände der Schatzsuche hinweist. So ist für jeden Abenteuerlustigen der richtige Schatz dabei. Neben Kindern haben auch Erwachsene Spaß an dem Hobby gefunden. Nach Olaf Pfeiffer gibt es dafür eine gute Begründung: „Ich sage mal, in fast jedem von uns steckt doch ein kleiner Indiana Jones. Und wer kennt nicht das leichte Kribbeln und das tolle Gefühl, wenn man zu einem kleinen Kreis von Eingeweihten gehört, die etwas besonders Kniffliges gelöst haben.“

GPS-Festival im September
Habt ihr jetzt auch Lust bekommen, ein wenig Indiana Jones zu spielen? Dann aufgepasst: Am 19. und 20. September 2009 findet auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein in Essen das erste „Garmin GPS-Festival auf Zollverein“ statt. Auf dem ehemaligen Zechengelände treffen sich tausende von begeisterten Geocachern und GPS-Interessierten. Mitmachen könnt ihr natürlich auch ohne eigenes GPS-Gerät!

Weitere Informationen zum Festival in Essen findet ihr hier.

von Sonja Scheferling

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