Fuerteventura abseits der Ferienhochburgen: Fünf zauberhafte Orte zum Entspannen
bergleben.de am 13.10.2009 - 16:06 Uhr
© flickr_guillaumeo
"Entweder man hasst Fuerteventura oder man liebt die Insel und kommt immer wieder hierhin zurück." Diese Worte hatte mir vor Jahren ein Einheimischer gesagt. Beim ersten Blick aus dem Flugzeug auf die schroffen Berge fallen sie mir gleich wieder ein. Zweifelsohne trifft auf mich Letzteres zu, da ich nun schon zum vierten Mal nach Fuerteventura reise. Aber was macht den Bann dieser Insel aus? Für mich ist die Antwort eindeutig: Abseits der Ferienhochburgen gibt es Orte, die den Besucher verzaubern.
"Malpais" - schlechtes Land
Ein erholsamer Urlaub fängt mit der richtigen Unterkunft an. Von der Hauptstadt Puerto del Rosario nehmen mein Partner und ich die Fernstraße in unser kleines Fischerdorf La Lajita, wo wir schon immer gewohnt haben. Der spanische Schriftsteller Miguel de Unamuno beschrieb die kanarische Insel in der Zeit seiner dortigen Verbannung einmal als ein "nacktes, skeletthaftes, karges Land aus nichts als Knochen." Wohl war. Wir fahren mit unserem Leihwagen vorbei an Landesabschnitten, die den vulkanischen Ursprung Fuerteventuras nur allzu deutlich machen. Schwarzes Vulkangestein überzieht den Boden. Bedrohlich zeichnen sich die dunklen Berge vom blauen Himmel ab. Grüne Pflanzen gibt es hier nur wenig. „Malpais“, schlechtes Land, wird diese Gegend von den Einheimischen genannt.
La Lajita
Unser kleines Fischerdorf La Lajita hat sich in den letzten Jahren verändert. Wie nahezu überall an den Küstenregionen wurde auch hier gebaut. Glücklicherweise ist der Ort von Hotelanlagen verschont geblieben. Wo früher vereinzelnd kleine Fischerhütten standen, prägen jetzt rot, blau und gelb verputzte Wohnanlagen für einheimische Familien das Ortsbild. Na ja, mein letzter Besuch liegt acht Jahre zurück. Während meine Erinnerung das Leben und die Umgebung hier konserviert hatte, drehte sich das Rad der Zeit in dem romantischen Dörfchen unverkennbar weiter. In unserer privaten Unterkunft ist glücklicherweise alles beim Alten geblieben. Etwas abseits von La Lajita liegt das Haus auf einem Küstenhügel mit freiem Blick auf den Atlantik. Hier stört niemand unsere Ruhe. "Zu früh gefreut", denke ich mir am nächsten Morgen, als mich der Hahn auf dem Grundstück mit einem lauten Krähen vor Tagesanbruch stört. Leise schleiche ich mich auf die Terrasse. Dort werde ich gleich von einer Meute von fünf Hunden mit wedelnden Schwänzen und lautem Bellen begrüßt. Auch sie gehören zu dem Anwesen. "Gut", denke ich mir "jetzt ist der Faulpelz im Schlafzimmer auch wach." Zusammen schauen wir uns den Sonnenaufgang an. Langsam schiebt sich die gelbe Kugel über die Linie zwischen Himmel und Ozean und taucht das Dorf in warmes Orange. Wortlos verfolgen wir das Schauspiel.
Die Strände von Cofete
So ein Start in den Tag motiviert zu großen Taten und so machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf die Socken. Unser Ziel ist das Örtchen Cofete. Dort sind die schönsten und einsamsten Strände der Insel. Wir starten Richtung Morro Jable. Der ehemalige Fischerort Morro Jable und der Touristenort Jandía sind heute nicht mehr voneinander zu trennen. Letzterer wurde für Urlauber erschaffen und besteht größtenteils nur aus Ferienanlagen, Bars und Restaurants. Zahlreiche Geschäfte säumen die Shoppingmeile. Von teuren Sonnenbrillen bis zu billigen Bikinis - alles was das Touristenherz begehrt, bekommt es in Jandia. Oberhalb des Hafens folgen wir einer ausgeschilderten Schotterpiste Richtung Punta de Jandía und nehmen dann die Passstraße über die südliche Bergkette nach Cofete. Gut durchgeschüttelt und gerüttelt halten wir auf dem höchsten Punkt der Passhöhe an. "Wahnsinn!" Links blicken wir auf türkisblaues Wasser, rechts auf die wuchtigen Berge. Wie in einem Tal liegen dazwischen kilometerweite helle Sandstrände. Wir sind mehrere Hundert Meter über dem Meeresspiegel und können trotzdem die Kraft des Atlantiks spüren. Weiß schäumen die Wellen, bevor sie auslaufen. "Das wird da unten gleich ein Heidenspaß", denke ich mir und soll Recht behalten. Mehr als einmal stürzen wir uns in die Fluten. Und das nahezu alleine. Gerade mal drei weitere Pärchen haben sich an den Strand verirrt und teilen unser Vergnügen.
Spanisches Leben in Pájara
Nach einigen paradiesischen Tagen in Cofete, führt unsere nächste Entdeckungstour ins Landesinnere nach Pájara. Bewusst entscheiden wir uns gegen die Hauptstraße und nehmen eine der vielen kleinen Nebenstraßen, die sich durch die Berge schlängeln. Diese Wege sind zwar befestigt, haben aber in vielen Fällen keine Absperrung und Mittelmarkierung. So wird das Autofahren die Serpentinen entlang zu einem richtigen Abenteuer. Im ersten Gang quälen wir das arme Auto nach oben. Hauptsache es kommt kein Gegenverkehr! "Das war´s", denke ich mir bei jeder erneuten Kurve ins Nichts. Aber der Besuch in Pájara ist das bisschen Angstschweiß schon wert. Besonders beeindruckend sind die kleinen Parkanlagen, die das Dorf ziert. Kräftig leuchten die Blüten der Hibisken in gelb, orange und rot. Satt grün sehen ihre Blätter aus. Alte Männer haben sich im Schatten großer Bäume auf Bänken nahe der Kirche versammelt und palavern. Kleine braune Holzbalkone schmücken vereinzelnd die weißen Häuser. Um die spanische Atmosphäre abzurunden, fehlen nur noch die typischen Tapas. In einem schummrigen Restaurant mit dicken brauen Holztischen und Stühlen, vertäfelter Decke und Terrakotta-Fliesen bestellen wir die landesspezifischen Häppchen. Von kleinen gegrillten grünen Paprikaschoten über in Knoblauch gedünstete Miesmuschel und würzigem Ziegenkäse, für den die Insel über ihre Küsten bekannt ist: Unsere Auswahl ist groß. "Papas arrugadas, por favor" - wir bestellen wir noch die kleinen Kartoffeln. Die Majoreros, so der Name der Einheimischen, kochen ihre Landesspezialität in stark konzentriertem Salzwasser, so dass die Kartoffeln sich klein zusammenziehen und sie eine weiße Salzkruste überzieht. Zusammen mit einer scharfen roten Soße mit extra viel Knoblauch sind sie dazu ein echtes kulinarischen Highlight. Selbstverständlich gehören dazu zwei Gläser kräftiger spanischer Rotwein. Sonst wäre der Genuss nur halb so schön!
Auf dem Pico de la Zarza
Das Faulenzen am Strand und die leckere einheimische Küche führen bei uns unweigerlich zu einem schlechten Gewissen. "Hopp auf geht´s", werde ich also am nächsten Tag von meinem Freund aus dem Bett gescheucht. Da wir gerne wandern, kann unser heutiges Ziel nur der Pico de la Zarza (807 m) sein. Fuerteventuras höchster Berg liegt im Süden der Insel. Also fahren wir zuerst nach Morro Jable und gehen von dort aus zu Fuß weiter. An der Wasseraufbereitungsanlage vorbei folgen wir einer Sandpiste. Einen Moment bleiben wir stehen und schauen uns die Stadt an. Dann geht es steil bergauf. Die eingepackten Wanderschuhe erfüllen definitiv ihren Zweck. Ohne einen sicheren Tritt, ist von dieser Tour abzuraten. Nach etwa einer Stunde verändert sich langsam die Landschaft. Braun-grüne Flechten überziehen das Geröll und kleine Büsche wachsen zwischen den Steinen. Schon lustig! Sonst sind wir bei unseren Wanderungen von grünen Wiesen und hohen Tannen umgeben. Aber hier komme ich mir eindeutig wie Lex Barker in "Durchs wilde Kurdistan" vor. Nach weiteren drei Stunden wird der Weg noch einmal schmaler und steiler. Langsam aber sicher komme ich ins Schwitzen. Der Gipfelanstieg geht mir in die Waden und das Atmen fällt schwer. Der Wind bläst kalt in mein Gesicht! Jetzt nur aufpassen beim Auftreten und nicht ausrutschen! Die letzten Meter kämpfe ich mich hoch. Und dann, einfach so, sind wir oben auf dem Gipfel. Die Aussicht, die uns der Pico bietet, ist kaum in Worte zu fassen. Vor uns liegen die Strände von Cofete! Heute ist das Glück auf unserer Seite. An vielen Tagen im Jahr liegt der Gipfel des Picos hinter dichten Wolken versteckt, so dass die meisten Wanderer gar nicht bis nach oben gehen. Den Augenblick unseres Erfolgs kosten wir ausgiebig aus und verweilen lange Zeit an diesem besonderen Ort. Unser Rückweg geht vergleichsweise schnell. Während ich meinen Gedanken nachhänge und die Eindrücke verarbeite, meint mein Freund plötzlich: "Es gibt noch eine Sache, die den Tag toppen kann!"
Der Sonnenuntergang von La Pared
"Stimmt", denke ich, als wir in warme Jacken eingepackt am frühen Abend am dunklen Strand von La Pared auf schwarzen Vulkansteinen sitzen. Der Strand des kleinen Küstenortes ist nicht besonders groß. Die Bucht wird hier von zwei mächtigen Felsformationen vom offenen Meer geschützt. Wind, Wasser und Salz haben an dem Gestein ihre Spuren hinterlassern. Wir blicken gen Himmel. Noch ist er von gelben Streifen durchzogen. Aber die Sonne bewegt sich genau mittig zwischen den Felsvorsprüngen mehr und mehr Richtung Horizont. Die letzten Strahlen berühren unsere Haut, bevor sie im Wasser untertauchen.
von Sonja Scheferling
"Malpais" - schlechtes Land
Ein erholsamer Urlaub fängt mit der richtigen Unterkunft an. Von der Hauptstadt Puerto del Rosario nehmen mein Partner und ich die Fernstraße in unser kleines Fischerdorf La Lajita, wo wir schon immer gewohnt haben. Der spanische Schriftsteller Miguel de Unamuno beschrieb die kanarische Insel in der Zeit seiner dortigen Verbannung einmal als ein "nacktes, skeletthaftes, karges Land aus nichts als Knochen." Wohl war. Wir fahren mit unserem Leihwagen vorbei an Landesabschnitten, die den vulkanischen Ursprung Fuerteventuras nur allzu deutlich machen. Schwarzes Vulkangestein überzieht den Boden. Bedrohlich zeichnen sich die dunklen Berge vom blauen Himmel ab. Grüne Pflanzen gibt es hier nur wenig. „Malpais“, schlechtes Land, wird diese Gegend von den Einheimischen genannt.
La Lajita
Unser kleines Fischerdorf La Lajita hat sich in den letzten Jahren verändert. Wie nahezu überall an den Küstenregionen wurde auch hier gebaut. Glücklicherweise ist der Ort von Hotelanlagen verschont geblieben. Wo früher vereinzelnd kleine Fischerhütten standen, prägen jetzt rot, blau und gelb verputzte Wohnanlagen für einheimische Familien das Ortsbild. Na ja, mein letzter Besuch liegt acht Jahre zurück. Während meine Erinnerung das Leben und die Umgebung hier konserviert hatte, drehte sich das Rad der Zeit in dem romantischen Dörfchen unverkennbar weiter. In unserer privaten Unterkunft ist glücklicherweise alles beim Alten geblieben. Etwas abseits von La Lajita liegt das Haus auf einem Küstenhügel mit freiem Blick auf den Atlantik. Hier stört niemand unsere Ruhe. "Zu früh gefreut", denke ich mir am nächsten Morgen, als mich der Hahn auf dem Grundstück mit einem lauten Krähen vor Tagesanbruch stört. Leise schleiche ich mich auf die Terrasse. Dort werde ich gleich von einer Meute von fünf Hunden mit wedelnden Schwänzen und lautem Bellen begrüßt. Auch sie gehören zu dem Anwesen. "Gut", denke ich mir "jetzt ist der Faulpelz im Schlafzimmer auch wach." Zusammen schauen wir uns den Sonnenaufgang an. Langsam schiebt sich die gelbe Kugel über die Linie zwischen Himmel und Ozean und taucht das Dorf in warmes Orange. Wortlos verfolgen wir das Schauspiel.
Die Strände von Cofete
So ein Start in den Tag motiviert zu großen Taten und so machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf die Socken. Unser Ziel ist das Örtchen Cofete. Dort sind die schönsten und einsamsten Strände der Insel. Wir starten Richtung Morro Jable. Der ehemalige Fischerort Morro Jable und der Touristenort Jandía sind heute nicht mehr voneinander zu trennen. Letzterer wurde für Urlauber erschaffen und besteht größtenteils nur aus Ferienanlagen, Bars und Restaurants. Zahlreiche Geschäfte säumen die Shoppingmeile. Von teuren Sonnenbrillen bis zu billigen Bikinis - alles was das Touristenherz begehrt, bekommt es in Jandia. Oberhalb des Hafens folgen wir einer ausgeschilderten Schotterpiste Richtung Punta de Jandía und nehmen dann die Passstraße über die südliche Bergkette nach Cofete. Gut durchgeschüttelt und gerüttelt halten wir auf dem höchsten Punkt der Passhöhe an. "Wahnsinn!" Links blicken wir auf türkisblaues Wasser, rechts auf die wuchtigen Berge. Wie in einem Tal liegen dazwischen kilometerweite helle Sandstrände. Wir sind mehrere Hundert Meter über dem Meeresspiegel und können trotzdem die Kraft des Atlantiks spüren. Weiß schäumen die Wellen, bevor sie auslaufen. "Das wird da unten gleich ein Heidenspaß", denke ich mir und soll Recht behalten. Mehr als einmal stürzen wir uns in die Fluten. Und das nahezu alleine. Gerade mal drei weitere Pärchen haben sich an den Strand verirrt und teilen unser Vergnügen.
Spanisches Leben in Pájara
Nach einigen paradiesischen Tagen in Cofete, führt unsere nächste Entdeckungstour ins Landesinnere nach Pájara. Bewusst entscheiden wir uns gegen die Hauptstraße und nehmen eine der vielen kleinen Nebenstraßen, die sich durch die Berge schlängeln. Diese Wege sind zwar befestigt, haben aber in vielen Fällen keine Absperrung und Mittelmarkierung. So wird das Autofahren die Serpentinen entlang zu einem richtigen Abenteuer. Im ersten Gang quälen wir das arme Auto nach oben. Hauptsache es kommt kein Gegenverkehr! "Das war´s", denke ich mir bei jeder erneuten Kurve ins Nichts. Aber der Besuch in Pájara ist das bisschen Angstschweiß schon wert. Besonders beeindruckend sind die kleinen Parkanlagen, die das Dorf ziert. Kräftig leuchten die Blüten der Hibisken in gelb, orange und rot. Satt grün sehen ihre Blätter aus. Alte Männer haben sich im Schatten großer Bäume auf Bänken nahe der Kirche versammelt und palavern. Kleine braune Holzbalkone schmücken vereinzelnd die weißen Häuser. Um die spanische Atmosphäre abzurunden, fehlen nur noch die typischen Tapas. In einem schummrigen Restaurant mit dicken brauen Holztischen und Stühlen, vertäfelter Decke und Terrakotta-Fliesen bestellen wir die landesspezifischen Häppchen. Von kleinen gegrillten grünen Paprikaschoten über in Knoblauch gedünstete Miesmuschel und würzigem Ziegenkäse, für den die Insel über ihre Küsten bekannt ist: Unsere Auswahl ist groß. "Papas arrugadas, por favor" - wir bestellen wir noch die kleinen Kartoffeln. Die Majoreros, so der Name der Einheimischen, kochen ihre Landesspezialität in stark konzentriertem Salzwasser, so dass die Kartoffeln sich klein zusammenziehen und sie eine weiße Salzkruste überzieht. Zusammen mit einer scharfen roten Soße mit extra viel Knoblauch sind sie dazu ein echtes kulinarischen Highlight. Selbstverständlich gehören dazu zwei Gläser kräftiger spanischer Rotwein. Sonst wäre der Genuss nur halb so schön!
Auf dem Pico de la Zarza
Das Faulenzen am Strand und die leckere einheimische Küche führen bei uns unweigerlich zu einem schlechten Gewissen. "Hopp auf geht´s", werde ich also am nächsten Tag von meinem Freund aus dem Bett gescheucht. Da wir gerne wandern, kann unser heutiges Ziel nur der Pico de la Zarza (807 m) sein. Fuerteventuras höchster Berg liegt im Süden der Insel. Also fahren wir zuerst nach Morro Jable und gehen von dort aus zu Fuß weiter. An der Wasseraufbereitungsanlage vorbei folgen wir einer Sandpiste. Einen Moment bleiben wir stehen und schauen uns die Stadt an. Dann geht es steil bergauf. Die eingepackten Wanderschuhe erfüllen definitiv ihren Zweck. Ohne einen sicheren Tritt, ist von dieser Tour abzuraten. Nach etwa einer Stunde verändert sich langsam die Landschaft. Braun-grüne Flechten überziehen das Geröll und kleine Büsche wachsen zwischen den Steinen. Schon lustig! Sonst sind wir bei unseren Wanderungen von grünen Wiesen und hohen Tannen umgeben. Aber hier komme ich mir eindeutig wie Lex Barker in "Durchs wilde Kurdistan" vor. Nach weiteren drei Stunden wird der Weg noch einmal schmaler und steiler. Langsam aber sicher komme ich ins Schwitzen. Der Gipfelanstieg geht mir in die Waden und das Atmen fällt schwer. Der Wind bläst kalt in mein Gesicht! Jetzt nur aufpassen beim Auftreten und nicht ausrutschen! Die letzten Meter kämpfe ich mich hoch. Und dann, einfach so, sind wir oben auf dem Gipfel. Die Aussicht, die uns der Pico bietet, ist kaum in Worte zu fassen. Vor uns liegen die Strände von Cofete! Heute ist das Glück auf unserer Seite. An vielen Tagen im Jahr liegt der Gipfel des Picos hinter dichten Wolken versteckt, so dass die meisten Wanderer gar nicht bis nach oben gehen. Den Augenblick unseres Erfolgs kosten wir ausgiebig aus und verweilen lange Zeit an diesem besonderen Ort. Unser Rückweg geht vergleichsweise schnell. Während ich meinen Gedanken nachhänge und die Eindrücke verarbeite, meint mein Freund plötzlich: "Es gibt noch eine Sache, die den Tag toppen kann!"
Der Sonnenuntergang von La Pared
"Stimmt", denke ich, als wir in warme Jacken eingepackt am frühen Abend am dunklen Strand von La Pared auf schwarzen Vulkansteinen sitzen. Der Strand des kleinen Küstenortes ist nicht besonders groß. Die Bucht wird hier von zwei mächtigen Felsformationen vom offenen Meer geschützt. Wind, Wasser und Salz haben an dem Gestein ihre Spuren hinterlassern. Wir blicken gen Himmel. Noch ist er von gelben Streifen durchzogen. Aber die Sonne bewegt sich genau mittig zwischen den Felsvorsprüngen mehr und mehr Richtung Horizont. Die letzten Strahlen berühren unsere Haut, bevor sie im Wasser untertauchen.
von Sonja Scheferling
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