Interview mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther: "Alle kommen mit einem Lächeln zurück"

bergleben.de am 24.01.2012 - 11:53 Uhr
Interview mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther: © bergleben.de
Wir haben die Testimonials der Schneeschuh-Erlebnistour nach einer gemeinsamen Tour in Winterberg interviewen können: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther stellten sich trotz heftigem Schneetreibens unseren Fragen zum Schneeschuhwandern und zu ihren Erlebnissen bei den bisherigen Stopps der Tour.

Frage: Christian und Rosi - fast genau ein Jahr ist es her, dass ihr die Schneeschuh-Erlebnistour auf der ispo in München angekündigt habt. Was ist von den ersten Stopps bei euch hängen geblieben?
Christian Neureuther: Lauter begeisterte Menschen, ausgebuchte Kurse - und ( er lächelt) ein unheimlich extremes Wetter. Wo die Schneeschuhtour aufschlägt - da schneit`s! Und was wollen Wintersportler mehr als Schneetreiben? Die Rosi sagt immer, das ist eigentlich das ideale Wetter zum Schneeschuhwandern.
Rosi Mittermaier: Das ist jetzt das allerbeste Wetter - denn da würden wir jetzt nicht zum Skifahren gehen. Überall wo man Tempo kriegt, ist es jetzt schlechter, aber beim Schneeschuhwandern ist es jetzt gut für den Teint! (Rosi lacht. Was macht's: Wir sind in der Natur draußen, man bewegt sich, tut etwas für seinen Körper. Es ist schön, wenn viele Leute mitmachen - und das haben wir auch hier erfahren.

Frage: Hier in Winterberg sind viele Anfänger im Schneeschuhwandern dabei. Was für Fragen bekommt ihr von denen gestellt?
Christian: Ich glaub' - und das ist interessant - die meisten Einsteiger haben eher Hemmungen vor dem Gerät. Dabei muss man es nur anziehen und losgehen. Es ist ja nicht so, dass man viel lernen muss. Aber es ist eine Hemmschwelle da. Und das Schöne ist dann, wenn die auf einmal im tiefen Schnee sind und sehen auf einmal, wie leicht es geht und dass man nicht einsinkt. Die ham' sogleich eine Freude, die kommen alle mit einem lächelnden Gesicht zurück, haben ein Gruppenerlebnis. Und ich versprech' eins: Irgendwann haben wir auch noch Sonne!

Frage: Wir konnten gerade schon richtig im Tiefschnee gehen - ist das das Schönste am Schneeschuhwandern?
Rosi: Das Schönste ist, wenn man irgendwo hinkommt, auf eine Wiese, wo man im Sommer gar nicht hingelangt, weil ja das Gras wachsen soll. Und jetzt können wir drübermarschieren. Du machst deine eigene Spur. Man sieht auch die Tierspuren und kann das den Kindern weitergeben. Behutsam mit der Natur umzugehen ist eine Selbstverständlichkeit. Da müssen natürlich auch die Schneeschuhwanderer drauf achten. Aus dem Grunde ist es ein richtig abenteuerliches Naturerlebnis.
Christian: Die größte Freude kommt bei den Menschen auf, wenn eine unverspurte Fläche vor ihnen liegt. Ich weiß nicht, das spricht uns Menschen irgendwie biologisch an. Für uns Skifahrer ist es der unberührte Tiefschneehang. Und hier hast du die Ruhe beim Wandern, dass du deine Spuren in den Schnee legst. Du kannst hinter dich schauen, hast Spuren hinterlassen und schaust nach vorn in eine freie Fläche rein - also das gibt einem schon ein ganz besonderes Gefühl.



Frage: Was ist anders, wenn ihr privat loszieht?
Rosi: Wir machen das ja auch privat gerne. Grad' bei so einem Wetter (Der Wind treibt Rosi eine ordentliche Ladung Schnee ins Gesicht) würde man ja eher nicht zum Sporteln rausgehen. Aber man kann mit den Schneeschuhen auch jetzt etwas für sich tun, für die Kondition ein bissel. Und ich kann das auch mit dem Christian gut machen. Für die Frau, wenn der Mann sportlich ist, ist es ja immer schwierig, zusammen den Sport zu betreiben. Das ist eine sanfte Sportart für uns gemeinsam. Wenn man auch gerne fotografiert oder einfach schöne Landschaften sehen will, ist das ideal. (Rosi zeigt nach links) War kürzlich nicht 100 Jahre Südpol-Entdeckung? Da drüben sieht es gerade auch so aus ... (lacht)

Frage: Das bringt uns zum Stichwort Risikokompetenz: Wenn man überall im Tiefschnee wandern kann, wieviel muss ich über Lawinen und Bergrisiken wissen?
Christian: Alpine Gefahren lauern natürlich in den Bergen. Und derjenige, der sich außerhalb der Waldgrenze bewegt, der vielleicht mit dem Snowboard auf dem Rücken auf Schneeschuhen aufsteigt, bei dem gehe ich davon aus, dass er sich erkundigt nach der örtlichen Lawinengefahr. Wenn er unerfahren ist, sollte er auf jeden Fall mit einem Bergführer losziehen. Aber für einen normalen Schneeschuhwanderer gibt's da eigentlich keine Anforderungen.

Frage: Was sind eure Eindrücke aus Winterberg?
Rosi: Hier sind wahnsinnig viele begeisterte Leute. Die Berge, das sind wir als Bayern ja verwöhnt, aber hier gibt es auch so eine Sehnsucht. Die Leute sind auch Wintersportler, hier kann man ja alles betreiben. Hier suchen die Leute die Ruhe und die Natur, um sich dort zu erholen. Ich glaube, das ist so ein Zentrum in Deutschland.
Christian: Man spürt die Skibegeisterung, die Schneebegeisterung von den Menschen hier. Das vermuten wir Bayern gar nicht! Auch die Begeisterung für den Rennsport: Heute war Kitzbühel zum Beispiel und die fragen uns, wie es gelaufen ist. Hier ist eben alpines Umfeld.

Frage: Vielen Dank für eure Zeit - trotz des Wetters ... Viel Spaß noch!
Rosi und Christian: Danke, gleichfalls!
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