Markus Gründel: Geocaching im Wandel der Jahre
bergleben.de am 13.04.2011 - 14:10 Uhr
© Markus Gründel
Markus lacht. Von Beginn an ist er in seinem Element. Geocaching ist sein Thema, das merkt man. Gerne denkt er sich zurück in seine Erfahrungen mit dem Thema und der Entwicklung einer Community, die lange ein im Web vernetzter Geheimtipp und damit fast eine Geheimorganisation war und die Außenwelt als Muggel belächelte.
Inzwischen nimmt die Zahl der Muggel ab und der Hype um Geocaching beschert der Szene ungekannte Probleme. Je mehr Cacher sich auf die Suche nach Dosen machen, je mehr Nutzer selbst erste Gehversuche starten und Caches verstecken, desto mehr schlechte Caches gibt es. Markus wirbt daher ganz offen um ein bisschen gesunden Menschenverstand und für die Einhaltung einer Handvoll Regeln - dann kann Geocaching für alle Beteiligten viel Spaß machen. Er sagt aber auch: Bei 190.000 aktiven Caches allein in Deutschland gab es im letzten Jahr maximal zehn Polizeieinsätze, die durch Cache ausgelöst worden sind. Eine Marginalie, vor allem wenn man bedenkt, dass jeder Cache ja durchaus auf mehrere Loggs kommt.
"Es gibt ein paar klassische Sachen, die man einfach nicht machen sollte", so Markus. "Keine gute Idee ist es, den Cache an einem Spielplatz oder Schulhof zu platzieren. Wenn sich da gerade ein älterer Mann später zu schaffen macht, kriegt er möglicherweise Probleme... das hat es alles schon gegeben!" Ähnlich verhält es sich in der Nähe von Gebäuden, die sich als terroristisches Ziel eignen, wie Bahnhöfen. Wenn dort jemand herumfummelt, kann er sich leicht das Interesse der örtlichen Polizei einfangen - und keinen Schatz.
Früher war eben vieles anders. Markus erinnert sich: "Da gab es den ersten Nano am Bahnhof in Hannover. Der war eigentlich nicht regelkonform, wurde aber quasi durchgeschummelt. Und jeder wusste: Die Leute lesen nach und rennen nicht auf die Gleise. Heute könntest du das nicht mehr machen!" Man muss vielmehr mit der Naivität der Suchenden rechnen, die im schlimmsten Fall dem GPS-Gerät folgen, auch wenn es über Bahnschienen hinüber geht.
Auch Jäger und Cacher sind zwischenzeitlich häufiger aneinander geraten. Multis, die quer durch den Wald führen und möglicherweise noch das Erklettern einzelner Bäume erfordern, erregen den Unmut der Wildhüter und könnten über kurz oder lang dazu führen, dass diese ihre Lobby dazu nutzen, Cachern Wegerechte zu verweigern oder sonstige Reglementierungen zu erreichen. "Solange es nur eine kleine Gruppe von Menschen war, die Caches suchte, gab es das Problem nicht. Jetzt werfen sich die Jäger den Deckmantel des Umweltschutzes über und gehen dagegen vor, rufen zum Beispiel die Polizei", meint der 'alte Hase'. Eine Eskalation hängt aber auch immer an den beteiligten Personen, meint Markus: "So weit muss es nicht immer kommen, ein gemeinsamer Dialog hat schon oft zum Erfolg geführt. Und da kann jeder etwas zu beitragen." Er selbst pflegt besonders den Dialog mit Naturschützern und Wildhütern und macht ihnen klar, dass es für Cacher klare Regeln gibt, die auch zumeist befolgt werden.
Gerade die älteren Cacher ärgert oft die (nicht immer nur) negative Aufmerksamkeit, die über ihre Freizeitbeschäftigung hereingebrochen ist. Dabei gibt es ein paar Regeln, die auch für Newcomer leicht zu befolgen sind und so hochwertiges Cachen ohne Störfälle ermöglichen. "Ich sage immer, finde erst einmal 100 Dosen und werde dir darüber klar, was gut war und was weniger gut," beginnt Markus Gründel. "Dann gibt es vier Regeln, die sogenannten Morsix-Regeln, die ich für sehr sinnvoll halte." Der Cacher Morsix hatte folgende Fragen festgehalten: Ist die Location besonders interessant? Ist es eine besondere Herausforderung, an die Dose zu kommen? Hat sie einen besonderen Witz? Oder ist sie besonders spannend? Nur wenn zumindest eine Frage mit ja beantwortet werden kann, sollte überhaupt der Cache gelegt werden. Sonst nicht.
Zum Glück gibt es natürlich echte Vorzeigeobjekte, Dosen, die Spaß machen. "Richtig gute Caches sind mit viel Liebe gemacht", schwärmt Markus, dem es in erster Linie um den Spaß geht, nicht um Masse. "Für mich ist Nachtcachen die Königsdisziplin. Ich hatte mal einen Cache, wo sich der Owner richtig viel Mühe gemacht hat. Es ging um ein virtuelles Verbrechen, eine Frau wurde vermisst. Für die Startkoordinaten mussten Aminosäuren einer DNA-Kette entschlüsselt werden. Bei jeder Station fanden wir Gegenstände von ihr, wie Schuhe oder eine Kette. Das hat richtig Spaß gemacht!"
Wer so eine nächtliche Schatzsuche legen will, muss viel investieren. Dafür dürfte die Response um so schöner sein. Jeder Owner bekommt im Anschluss Feedback von den Findern. "Ich habe viel erlebt und bin immer wieder beeindruckt, wieviel Kreativität die Menschen entwickeln", verrät uns Markus. "Auch wenn man im Team die Aufgaben löst, merkt man, wie unterschiedlich wir alle doch denken - und gemeinsam löst man dann die Rätsel." Geocaching hat sich mit der Popularität zweifelsohne gewandelt. "Als es angefangen hat, war das so ein Jungs-Ding, man war eher der einsame Wolf. Seit 2004, 2005 kommen immer mehr Familien und Gruppen zum Cachen." Dieses Feedback bekommt Gründel immer wieder: So bekommen wir die Kinder raus in die Natur!
Was ist also das große Geheimnis - warum ist Markus seit acht Jahren dabei? "Ich will Spaß haben und ein tolles Erlebnis mit einem Cache verbinden. Ich bin nicht der Typ, der ohne GPS das Haus nicht mehr verlässt. Meine Erfahrung ist: Die Leute sind immer dankbar für eine besondere Dose. Das möchte ich gerne vermitteln", fasst der Autor zusammen. Die Basics hat er für alle Neueinsteiger in Buchform festgehalten. Darin verrät er übrigens auch seinen Cachernamen. Alle Leser können sich damit bald selbst auf die Suche nach Dosen von Markus machen. Garantiert ohne Försterkontakt!
Mehr Infos zu Markus Gründel gibt es unter Cachetool.de
Mikrodosenschwemme - Masse statt Klasse?
Inzwischen nimmt die Zahl der Muggel ab und der Hype um Geocaching beschert der Szene ungekannte Probleme. Je mehr Cacher sich auf die Suche nach Dosen machen, je mehr Nutzer selbst erste Gehversuche starten und Caches verstecken, desto mehr schlechte Caches gibt es. Markus wirbt daher ganz offen um ein bisschen gesunden Menschenverstand und für die Einhaltung einer Handvoll Regeln - dann kann Geocaching für alle Beteiligten viel Spaß machen. Er sagt aber auch: Bei 190.000 aktiven Caches allein in Deutschland gab es im letzten Jahr maximal zehn Polizeieinsätze, die durch Cache ausgelöst worden sind. Eine Marginalie, vor allem wenn man bedenkt, dass jeder Cache ja durchaus auf mehrere Loggs kommt.
Kardinalfehler vermeiden
"Es gibt ein paar klassische Sachen, die man einfach nicht machen sollte", so Markus. "Keine gute Idee ist es, den Cache an einem Spielplatz oder Schulhof zu platzieren. Wenn sich da gerade ein älterer Mann später zu schaffen macht, kriegt er möglicherweise Probleme... das hat es alles schon gegeben!" Ähnlich verhält es sich in der Nähe von Gebäuden, die sich als terroristisches Ziel eignen, wie Bahnhöfen. Wenn dort jemand herumfummelt, kann er sich leicht das Interesse der örtlichen Polizei einfangen - und keinen Schatz.
Mitdenken darf man nicht voraussetzen
Früher war eben vieles anders. Markus erinnert sich: "Da gab es den ersten Nano am Bahnhof in Hannover. Der war eigentlich nicht regelkonform, wurde aber quasi durchgeschummelt. Und jeder wusste: Die Leute lesen nach und rennen nicht auf die Gleise. Heute könntest du das nicht mehr machen!" Man muss vielmehr mit der Naivität der Suchenden rechnen, die im schlimmsten Fall dem GPS-Gerät folgen, auch wenn es über Bahnschienen hinüber geht.
Vorsicht vor dem Wildhüter!
Auch Jäger und Cacher sind zwischenzeitlich häufiger aneinander geraten. Multis, die quer durch den Wald führen und möglicherweise noch das Erklettern einzelner Bäume erfordern, erregen den Unmut der Wildhüter und könnten über kurz oder lang dazu führen, dass diese ihre Lobby dazu nutzen, Cachern Wegerechte zu verweigern oder sonstige Reglementierungen zu erreichen. "Solange es nur eine kleine Gruppe von Menschen war, die Caches suchte, gab es das Problem nicht. Jetzt werfen sich die Jäger den Deckmantel des Umweltschutzes über und gehen dagegen vor, rufen zum Beispiel die Polizei", meint der 'alte Hase'. Eine Eskalation hängt aber auch immer an den beteiligten Personen, meint Markus: "So weit muss es nicht immer kommen, ein gemeinsamer Dialog hat schon oft zum Erfolg geführt. Und da kann jeder etwas zu beitragen." Er selbst pflegt besonders den Dialog mit Naturschützern und Wildhütern und macht ihnen klar, dass es für Cacher klare Regeln gibt, die auch zumeist befolgt werden.
Erst einmal 100 Dosen suchen
Gerade die älteren Cacher ärgert oft die (nicht immer nur) negative Aufmerksamkeit, die über ihre Freizeitbeschäftigung hereingebrochen ist. Dabei gibt es ein paar Regeln, die auch für Newcomer leicht zu befolgen sind und so hochwertiges Cachen ohne Störfälle ermöglichen. "Ich sage immer, finde erst einmal 100 Dosen und werde dir darüber klar, was gut war und was weniger gut," beginnt Markus Gründel. "Dann gibt es vier Regeln, die sogenannten Morsix-Regeln, die ich für sehr sinnvoll halte." Der Cacher Morsix hatte folgende Fragen festgehalten: Ist die Location besonders interessant? Ist es eine besondere Herausforderung, an die Dose zu kommen? Hat sie einen besonderen Witz? Oder ist sie besonders spannend? Nur wenn zumindest eine Frage mit ja beantwortet werden kann, sollte überhaupt der Cache gelegt werden. Sonst nicht.
Vorzeige-Nachtwanderung
Zum Glück gibt es natürlich echte Vorzeigeobjekte, Dosen, die Spaß machen. "Richtig gute Caches sind mit viel Liebe gemacht", schwärmt Markus, dem es in erster Linie um den Spaß geht, nicht um Masse. "Für mich ist Nachtcachen die Königsdisziplin. Ich hatte mal einen Cache, wo sich der Owner richtig viel Mühe gemacht hat. Es ging um ein virtuelles Verbrechen, eine Frau wurde vermisst. Für die Startkoordinaten mussten Aminosäuren einer DNA-Kette entschlüsselt werden. Bei jeder Station fanden wir Gegenstände von ihr, wie Schuhe oder eine Kette. Das hat richtig Spaß gemacht!"
Wandel hin zu mehr Gruppendynamik
Wer so eine nächtliche Schatzsuche legen will, muss viel investieren. Dafür dürfte die Response um so schöner sein. Jeder Owner bekommt im Anschluss Feedback von den Findern. "Ich habe viel erlebt und bin immer wieder beeindruckt, wieviel Kreativität die Menschen entwickeln", verrät uns Markus. "Auch wenn man im Team die Aufgaben löst, merkt man, wie unterschiedlich wir alle doch denken - und gemeinsam löst man dann die Rätsel." Geocaching hat sich mit der Popularität zweifelsohne gewandelt. "Als es angefangen hat, war das so ein Jungs-Ding, man war eher der einsame Wolf. Seit 2004, 2005 kommen immer mehr Familien und Gruppen zum Cachen." Dieses Feedback bekommt Gründel immer wieder: So bekommen wir die Kinder raus in die Natur!
Das Geheimnis: Spaß!
Was ist also das große Geheimnis - warum ist Markus seit acht Jahren dabei? "Ich will Spaß haben und ein tolles Erlebnis mit einem Cache verbinden. Ich bin nicht der Typ, der ohne GPS das Haus nicht mehr verlässt. Meine Erfahrung ist: Die Leute sind immer dankbar für eine besondere Dose. Das möchte ich gerne vermitteln", fasst der Autor zusammen. Die Basics hat er für alle Neueinsteiger in Buchform festgehalten. Darin verrät er übrigens auch seinen Cachernamen. Alle Leser können sich damit bald selbst auf die Suche nach Dosen von Markus machen. Garantiert ohne Försterkontakt!
Mehr Infos zu Markus Gründel gibt es unter Cachetool.de
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