Sind Wanderstöcke sinnvoll? Pros, Contras und Tipps zur Anwendung

2. August 2011 | bergleben.de

Beim Basiskurs

Basiskurs Wandern im Kleinwalsertal

Copyright: Kleinwalsertal Tourismus

Schon immer gehörte der Wanderstock zur Grundausrüstung in den Bergen. Heute ist zwar kaum noch jemand mit dem gebogenen Holzstock unterwegs, aber auf die Gehhilfe möchten die meisten dennoch nicht verzichten. Statt des traditionellen Wanderstocks benutzt man heute moderne Walking-Stöcke. Außerdem begnügt man sich nicht mehr mit einem Stock, jetzt müssen es schon zwei sein. Dabei haben die Stöcke nicht nur Vorteile.

Bruchsicherheit und Haltekraft

Das Wichtigste vorab: Zum Wandern sollte man immer "richtige" Walking-Stöcke und keine Nordic Walking-Stöcke benutzen. Walking-Stöcke sind in der Regel robuster. Das ist wichtig, weil sie vor allem beim Bergabgehen großen Belastungen standhalten müssen. Außerdem besitzen sie dickere Griffe und größere Schlaufen, die nicht so eng am Handgelenk anliegen.

Wichtig ist bei Wanderstöcken, auf eine hohe Knick- und Bruchsicherheit zu achten. Bei Teleskopstöcken sollte man zudem auf die Verarbeitung schauen. Denn schlechte Stöcke können sich nach einigen Metern oder Kilometern verkürzen, wenn der Schließmechanismus keine hohe Qualität hat. Und wenn man Pech hat, schieben sich die Stangen beim Aufsetzen zusammen. Im schlimmsten Fall führt dies zum Sturz, was in den Bergen extrem gefährlich werden kann. Bei Stöcken sollte man also auf ein TÜV-Siegel achten, das eine Haltekraft von 60 Kilogramm voraussetzt.

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Vorteile von Wanderstöcken

Teleskopstöcke sind in den Bergen aber durchaus sinnvoll. Sie haben den Vorteil, dass sie dem Gelände entsprechend eingestellt werden können. Beim Bergan-Gehen drückt man sich mit den Stöcken leicht nach oben. Das entlastet die vorderen und hinteren Beinmuskeln, die aufgrund ihrer Dicke und Größe besonders viel Energie verbrauchen. Da man die Stöcke beim Bergauf-Gehen weiter oben am Hang aufsetzt, sollten sie hier etwas kürzer eingestellt werden oder man greift sie, falls vorhanden) am Schaumstoff unterhalb des Griffes. Grundregel: In der Ebene sollte der Winkel zwischen Unter- und Oberarm auf waagrechtem Untergrund circa 90 Grad betragen - das heißt, beim lockeren Griff zum Stock sollte der Unterarm paralell zum Boden sein. Je nach Steilheit des Geländes kann man dann die Länge der Stöcke anpassen, so dass die Arme auf dem Weg nach oben nicht überdehnt werden bzw. der Weg ins Tal erleichtert wird.

Geht man bergab, dienen die Stöcke dazu, den Schwung beim Aufsetzen etwas abzufangen. Bei einer dreistündigen Tour müssen die Knie mit Stöcken rund eine Tonne weniger Gewicht abfedern, dies haben Berechnungen von Fachleuten des TÜV SÜD ergeben. Das entlastet die Gelenke. Dafür müssen die Stöcke aber etwas länger eingestellt werden. Setzt man die Stöcke zu spät auf, werden die Schultern unnötig belastet.

Nachteile der Stöcke

Doch die Stöcke haben nicht nur Vorteile. Denn wer die ganze Zeit auf die Gehhilfen vertraut, verliert auf Dauer einen Teil seines Gleichgewichtsgefühls. Wackler oder Ausrutscher können schwieriger ausgeglichen werden, wenn man einen Teil seines Gewichts auf den Stock gestützt hat. Vor allem unerfahrene Bergsteiger sollten sich zunächst an das Terrain gewöhnen und ihre Trittsicherheit schulen, bevor sie mit Stöcken auf Tour gehen.

Zudem werden Muskeln und Bänder weniger belastet. Dies ist auf den ersten Blick ein Vorteil. Doch dadurch findet auch nur ein geringerer Anpassungsprozess statt. Lässt man die Stöcke weg oder lässt das Gelände eine Nutzung nicht zu, müssen sich die Gelenke an die veränderte Belastung abpassen. Zudem neigt man beim Bergab-Gehen dazu, größere Schritte zu machen, wenn man Stöcke einsetzt. Dabei werden vor allem die Knie um ein Vielfaches mehr belastet. Denn je weiter man den Fuß vor dem Körper aufsetzt, desto mehr Gewicht muss von den Knien aufgefangen werden.

Vor allem junge, gesunde und fitte Bergsteiger sollten besser ohne Stöcke gehen. Je extremer das Gelände wird, desto weniger "Stockeinsatz" ist möglich - auf nassem oder spitzem Gestein besteht zudem Rutschgefahr für die Stöcke und dann ist das Risiko mit Wanderstöcken größer als ohne. Sinnvoll sind Walking-Stöcke vor allem für Ältere und Übergewichtige. Auch wenn man mit schwerem Gepäck unterwegs ist, können die Stöcke etwas Belastung von den Schultern und der Wirbelsäule nehmen. Hier sollte man aber vor allem beim Bergab-Gehen darauf achten, nicht zu große Schritte zu machen. Auch bei schlechtem Wetter oder ungünstiger Sicht kann man mit Stöcken mehr Sicherheit bekommen.

Christian Riedel, bergleben.de

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