Die Norwegischen Spitzenalpinisten Rolf Bae, Bjarte Bo, Sigurt Felde und Stein Ivar Gravad erreichten am 2. Juni 2008 nach insgesamt 27 Tagen Kletterei den Gipfel des Great Trango Tower über den berüchtigten Norwegerpfeiler, an dem bislang viele der besten Kletterer der Welt gescheitert waren. Geklettert wurde vorwiegend nachts, da tagsüber die Gefahr durch Stein- und Eisschlag zu hoch war.
Doch damit nicht genug. Am 15. Juni 2008 wird Rolf Bae mit seiner Frau Celine Skog im Basislager des K2 eintreffen um den zweithöchsten Gipfel der Welt im Alpinstil zu versuchen.

1988 versuchte sich eine DAV-Leistungsexpedition mit den damals besten Deutschen Alpinisten an der Zweitbegehung des Norwegerpfeilers. Expeditionsleiter war Hartmut Münchenbach aus dem Allgäu, der die Topkletterer Deutschlands und sogar der damaligen DDR für dieses Unternehmen einschwören konnte. Das Team bestand aus Kurt Albert und Wolfgang Güllich aus dem Frankenjura, Martin Leinauer aus Berchtesgaden, Wolfgang Kraus aus der Pfalz und Bernd Arnold aus dem Elbsandsteingebirge. Also das Beste was Deutschland damals aufzubieten hatte.
Im Basislager angekommen bemerkte die Gruppe bald, dass „Big Walls“ im bisweilen gepriesenen „Big Yosemite“ des Karakorums anders zu bewerten waren als jene im kalifornischen, sonnengewärmten Pendant. Ohne den Ernst des monumentalen „El Capitän“ im Yosemite Valley schmälern zu wollen - die riesigen Granitwände im Karakorumgebirge zeigten sich auf Grund der Witterungsverhältnisse und der Logistik weitaus widerspenstiger.
„The Art of Suffering“ - die Kunst des Leidens zitierte Güllich die strapaziösen Expeditionen. Am Norwegerpfeiler, einem überwältigenden Granitkoloss, an dem 4 Jahre zuvor die beiden norwegischen Erstbegeher beim Abseilen tödlich verunglückten, zeigte sich das Zitat in inhaltlicher Konsequenz: 1100m senkrechte Wand, 400 Meter überhängende Headwall, im unteren Teil der Kletterpassagen bis zu VIII Grad, im oberen hakentechnische Schwierigkeiten bis A4, kräftezehrendes herumschleifen der Ausrüstung auf 6000 Metern Höhe, Kampf gegen Neuschnee, schleichende Angst vor Lawinen und - weit und breit kein gemütliches Cafe!
Nach tagelanger harter Kletterei gelangte das Team bis unter die Südschulter, in Sichtweite der 400 Meter hohen Headwall. Nach einem extremen Wettersturz musste die Gruppe das Unternehmen aufgeben.
Ein Jahr später kam Wolfgang Güllich mit Kurt Albert ins Karakorumgebirge zurück um am Nameless Tower (Kleiner Trango Tower) die Traumroute „Eternal Flame IX-/A2 erstzubegehen…

Buch: Wolfgang Güllich - Ein Leben in der Senkrechten