Der am 24.10.1960 geborene Wolfgang Güllich, ein Aushängeschild der deutschen Klettersportbewegung, kam durch seinen Vater zum Sportklettern. Er verbrachte fast jedes Wochenende an den Felsen in der Pfalz, um seine Technik zu verbessern. Dank seiner außergewöhnlichen Kletterkünste konnte er sich schnell an die Spitze der europäischen Kletterszene hocharbeiten.

Zeichen setzen

Güllich verbuchte viele Erstbegehungen und setzte dabei weltweit neue Maßstäbe. Mit den Routen: „Punks in the Gym“ (X+), „Wallstreet“ (XI-) und „Kanal im Rücken“ (X) gelangen ihm Touren in bis dahin nie erreichten Graden. Die Route „Action Directe“ am Waldkopf im Frankenjura war bis dahin die erste Route im Schwierigkeitsgrad XI und gilt heute noch als Meilenstein in der Klettergeschichte. 1986 kletterte Güllich seine berühmteste Free-Solo-Tour, „Separate Reality“ im Yosemite-Nationalpark. Wie herausragend diese Leistung war, lässt sich daran erkennen, dass sie erst 19 Jahre später, im Mai 2005 von Heinz Zak wiederholt werden konnte.

Auszüge aus dem Buch "Klettern heißt frei sein"

Auszug: Er hat Fehler wie jeder Mensch

Natürlich hatte er Fehler. Wie jeder Mensch eben. Man steht nicht an der Weltspitze, ohne bisweilen Züge egoistischen Verhaltens zu offenbaren, ohne auf dem Weg dorthin Menschen zu gebrauchen und auch zu verletzen. Ging es ums Klettern, um Leistung und Ethik, konnte er eine bis ins intolerante gehende Beharrlichkeit entwickeln. Er liebte die Diskussion, kämpfte bisweilen für Außenstehende befremdlich erscheinende Hölzernheit um seine Ansichten. Es gab Zeiten, gerade als er überzeugt war, in seiner Route Wallstreet sei herumgebastelt worden, da wirkte er sehr bissig, sehr kleinlich, wie einer dessen gestaute Moral durch kleine Kanäle gepresst wird, damit alles heraus kann. Er ließ nichts Gutes an der Entwicklung des Klettersports, gab sich als wäre er der letzte Ritter, der den heiligen Gral vor dem Untergang zu bewahren hat. Er besann sich. Die missionarische Vehemenz, mit der er seine Sicht über den Klettersport unter das Volk bringen wollte, wich mit zunehmendem Alter einer gelockerten Sichtweise über jene Dinge, die das Tun der Senkrechten bestimmen. Möglich war dies auch, weil er Annette, seine spätere Frau kennen gelernt hatte. Die Vertikale war nicht mehr das Maß allen Handelns.

Auszug: Der Kopf aufrecht, nicht die Nase

Wie man sich dem Leben Wolfgang`s auch nähert, es ist die Geschichte eines sensiblen Mannes von außergewöhnlicher Energie, hoher Intelligenz und tiefsinnigem Humor, der sich wie kaum ein zweiter philosophisch mit seinem Sport auseinander setzen vermochte, eines Spitzensportlers, der spitzbübischen Witz besaß und mit eingefallenen Schultern dastand, weil er nicht wie ein Bodybuilder daher kommen wollte - und doch so stolz auf seine phänomenale Kraft war. Eines Mannes der tief im Inneren der schüchterne Bub blieb, der er von Jugend an war. Es ist die Geschichte eines Kletterstars, der den Kopf aufrecht hielt und nicht die Nase. Die Souveränität in der Senkrechten übertrug sich auf seine gesamte Persönlichkeit. Es war leicht seine direkte und ehrliche Art zu mögen. Es war schwer sich seinem Charisma zu entziehen. Nie arrogant, immer den Menschen betrachtend und nie des anderen Kletterleistung als Messlatte nehmend. Es waren diese Wesenszüge, die ihn neben seiner Weltklasseleistung zum Idol werden ließ. Einem wie ihm zollt man gern Bewunderung.

Güllich stirbt bei Autounfall

Als Stuntdouble von Sylvester Stallone im Film "Cliffhanger" wurde Wolfgang Güllich auch in Hollywood bekannt. 1990 lernte er seine spätere Frau Anette kennen, die er 1991 heiratete. Zum Schrecken vieler kam die Legende am 31. August 1992 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Deutsche Olympische Gesellschaft ehrte ihn 2006 mit einem drei Meter hohen Sandstein, der am 7. Juni 2006 in seinem Heimatdorf Dannstadt-Schauernheim enthüllt wurde. Obwohl er seine sportlichen Erfolge nur durch konsequentes Training erreichen konnte, war er auch immer für die angenehmen Seiten des Lebens empfänglich, wie sein bekanntes Zitat dokumentiert:

"Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffee trinken, Kaffee trinken ist integraler Bestandteil des Kletterns."

Steckbrief
Geburtsort: Ludwigshafen
Geburtstag: 24. Oktober 1960
Todestag: 31. August 1992
Beerdigungsort: Dannstadt-Schauernheim

Das Buch "Klettern heißt frei sein" mit tollen Bildern von Güllich und persönlichen Einblicken in das Leben der Ikone kann direkt bei den Autoren Tilmann Hepp und Thomas Ballenberger unter www.wolfgangguellich.com zum Preis von 48 Euro bestellt werden.