Bislang galt Leutnant Naus als Erstbesteiger der Zugspitze. Er soll im Jahr 1820 als erster Mensch auf dem Gipfel von Deutschlands höchstem Berg gestanden haben. Naus war mit der Erstellung des Blattes "Werdenfels" im Rahmen der bayerischen Landesvermessung beauftragt.

Historische Zugspitzkarte: ybers blath ufn zugspitz
Eine vor kurzem im Archiv des DAV wiederentdeckte historische Karte aus der Zeit um 1770 lässt jedoch die Vermutung zu, dass Deutschlands höchster Berg wohl bereits vor der Mitte des 18. Jahrhunderts bestiegen wurde. Denn auf der altertümlichen, handgezeichneten Karte ist ein "Gang-Steig" vom Platt bis in den Gipfelbereich der Zugspitze und auf die andere Seite zum Eibsee mit einer zart gestrichelten Linie eingezeichnet. Zudem gibt es in der Legende eine Zeitangabe für den Weg "ybers blath ufn Zugspitz".

Die Karte hatte sich im an den DAV übergegangenen Nachlass des Alpinschriftstellers und langjährigen Herausgebers der Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins, Fritz Schmitt, befunden. Wie die Karte in seinen Besitz kam, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden.

Einheimische auf den Alpengipfeln
Eine oft geäußerte Vermutung, dass Einheimische schon lange vor den ersten namentlich bekannten Bergsteigern auf vielen Alpengipfeln standen, wird mit der Zugspitzkarte im Archiv des Deutschen Alpenvereins jetzt mit einem Dokument belegt. Nur so lässt es sich erklären, dass der Kartenersteller so detaillierte und genaue Angaben zum Wegverlauf und zu den Gehzeiten machen konnte. Viehhirten und Jäger, die ihre Arbeit auch im hinteren Reintal nahe der Gipfelregion der Zugspitze verrichteten, hatten sicher Ortskenntnis und bergsteigerisches Geschick genug, den Gipfel selbst zu erklimmen. Anders als die ersten Wissenschaftler und Touristen, die die Berge erstiegen, hielten die Einheimischen es jedoch offenbar nicht für nötig, ihre Gipfelgänge schriftlich der Nachwelt zu überliefern.

Dass die "prä-alpinstische" Besteigungsgeschichte der Zugspitze so lange nur auf Vermutungen basierte, liegt an der erstaunlichen Geschichte der Karte. 1884 taucht sie das erste Mal in der Öffentlichkeit auf: Der Zugspitzchronist Max Krieger veröffentlichte sie als Abzeichnung in seinem kleinen Büchlein über die Besteigungsgeschichte der Zugspitze. In den 1930er Jahren war die Karte sogar im Alpinen Museum des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins auf der Münchner Praterinsel ausgestellt, wurde aber nie wissenschaftlich bearbeitet und ausgewertet. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs ging das Stück jedoch zusammen mit weiteren Museumsobjekten verloren.

Sonderausstellung im Alpinen Museum
Ab 26. Oktober 2006 ist die Karte in einer Sonderausstellung des Alpinen Museums für die Öffentlichkeit zugänglich.

Quelle
Mitteilung vom 20. September 2006
Deutscher Alpenverein DAV
Andrea Händel
www.alpenverein.de