Barbara Gruber, Jahrgang 1977, ist die derzeit erfolgreichste deutsche Dame im Wettkampf-Skibergsteigen. Ihr jüngster Erfolg ist der erneute Gewinn der Deutschen Meisterschaft, nachdem sie diesen Titel bereits 2005 feiern durfte. Im letzten Jahr sorgte sie auch auf internationaler Bühne für Furore und holte bei der EM in Andorra Bronze im Team (mit Judith Grassl), in der Staffel (mit Judith Grassl und Silvia Treimer) sowie im Vertical Race. Während Gruber über sich selbst sagt, dass ihr die Abfahrt nicht ganz so gut liegt, ist sie dafür im Aufstieg bärenstark. So gilt die sympathische Weißbacherin bei der am Montag beginnenden WM in Cuneo/Italien im Vertical Race als Aspirantin auf eine Medaille - übt sich selbst jedoch im Formulieren derartiger Ziele in Zurückhaltung. Aus gegebenem Anlass sprachen wir mit Barbara Gruber über ihren bisherigen Saisonverlauf und die bevorstehende WM.

Mountains2b.com: Barbara, herzlichen Glückwunsch zum erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft am letzten Wochenende! Die Freude darüber war bei dir sicherlich groß, oder?
Barbara Gruber: Ja, auf jeden Fall. Aber irgendwie habe ich es auch gar nicht so sehr realisiert - ich war viel mehr dankbar darüber, dass ich heile wieder unten ankam. Die Abfahrt am Jenner war schon brutal - zum Glück konnte ich einen guten Start hinlegen und meine Führung beim Aufstieg herausholen. Mein größtes Ziel ist es aber tatsächlich immer wieder, die Abfahrten gut und ohne Sturz zu "überstehen". Wenn am Ende dann auch noch eine tolle Platzierung heraus springt, ist die Freude natürlich groß.

Mountains2b.com: Nach deinen beiden Siegen bei der Hochgrat-Skirallye und dem Jennerstier liegst du auch in der Gesamtwertung der Damen des DAV Black Diamond Skitourencups vorne. Strebst du am Samstag beim Dammkarwurm den Cup-Sieg an?
Barbara Gruber: Nein, beim Dammkarrennen werde ich nicht antreten, dafür nehme ich am Samstag bei einem einheimischen Rennen im Berchtesgadener Land teil: Dem Saghäusel-Andreas-Gedächtnislauf in Rossfeld. Mit dabei ist auch Georg Nickaes. Dies wird für uns das letzte Training vor der WM sein, bei der ich bereits am Dienstag, dem 28. Februar, im Vertical Race starten werde.

Mountains2b.com: Stichwort WM - bist du schon aufgeregt?
Barbara Gruber: Ich denke eigentlich noch gar nicht weiter über die WM nach, so dass es mir im Moment "ganz normal" geht. Ich glaube, wenn ich jetzt schon daran denken würde, würde ich kribbelig werden...

Mountains2b.com: Du warst bei der EM in Andorra im letzten Jahr erfolgreichste deutsche Athletin und konntest drei Bronzemedaillen holen. Wo siehst du dich in diesem Jahr im internationalen Vergleich und was hast du dir für die WM vorgenommen?
Barbara Gruber: Ich weiß es nicht, da dies meine erste WM-Teilnahme ist und ich bis auf die EM international noch keine Erfahrung gesammelt habe. So fahre ich unvoreingenommen nach Italien und kann getreu dem Motto "wenn's gut geht, geht's gut" an den Start gehen. Für mich steht das "dabei sein" im Vordergrund und so lange ich mir nichts vornehme, bin ich auch nicht enttäuscht, falls es nicht so gut laufen sollte. Ich kenne die Konkurrenz nicht und möchte einfach nur versuchen, meine beste Leistung abzuliefern. Wo ich ankomme, sieht man dann!

Mountains2b.com: In welchen Disziplinen wirst du starten?
Barbara Gruber: Neben dem Vertical Race am Dienstag werde ich am Freitag im Einzel und am Samstag in der Staffel starten. Im Teambewerb treten hingegen Silvia Treimer/Christine Schleich und Judith Grassl/Steffi Koch an.

Mountains2b.com: Auf nationaler Ebene kommt derzeit keine Dame an dir vorbei. Wie erklärst du dir deine Form? Absolvierst du ein spezielles Training?
Barbara Gruber: Ja, ich trainiere gezielt und werde durch Franz Hoffmann unterstützt, der für uns spezielle Trainingspläne entwickelt hat. Ich denke, dass das gezielte Training ausschlaggebend für meinen derzeitigen Leistungsstand ist. Innerhalb einer Woche trainiere ich etwa acht bis zwölf Stunden, pro Tag ungefähr zwei Stunden. Mehr wäre gar nicht drin, da ich meinen Mann und unser Kind ja nicht vernachlässigen möchte!

Mountains2b.com: Glaubst du, dass sich das Interesse am Skitouren-Sport in den letzten Jahren vergrößert hat?
Barbara Gruber: Da ich selbst diesen Sport noch nicht allzu lange betreibe, kann ich es nicht ganz so gut beurteilen, aber ich denke schon, dass das Interesse größer geworden ist. Wenn man die Veranstaltungen in Deutschland sieht, so sind diese professioneller geworden, es gibt in diesem Jahr mehr Rennen, als im letzten, und die Teilnehmerzahlen steigen stetig an. Auch in Österreich hat sich einiges getan - wenn man sieht, dass der ASTC in diesem Jahr mit sechs Rennen aufwartet, dann ist das schon gewaltig!

Mountains2b.com: Barbara, wir danken dir für das nette Gespräch und drücken dir für die WM die Daumen!