Mit der Hochgrat-Skirallye bei Oberstaufen im Allgäu wird der DAV Black Diamond Skitourencup 2006 am kommenden Sonntag, dem 05. Februar, eröffnet. Stefan Winter vom DAV sprach zuvor mit Toni Steurer, dem amtierenden Deutschen Meister im Skibergsteigen und Medaillengewinner bei der EM 2005 in Andorra. Sein jüngster Erfolg ist ein sechster Rang mit Teamkollege Franz Grassl beim Team-Weltcup in Albosaggia (ITA). Am Hochgrat zählt Steurer zu den Favoriten - als Lokalmatador dürfte er den Berg wie seine Westentasche kennen.

S.Winter: Toni, 2005 konntest du die Deutsche Meisterschaft im Skibergsteigen gewinnen. Wie schaut deine Form im Moment aus? Bist du gut gerüstet für eine Wiederholung?
T.Steurer: Ich fühle mich zurzeit sehr gut in Form. Ich konnte den Sommer über gute Grundlagen trainieren und hatte keine Krankheiten. Jedoch kann man jetzt noch nicht sagen, ob die Form reicht, und man weiß nicht, was die anderen trainiert haben. Genau sagen, wo man steht, kann man nach den ersten Wettkämpfen. Gerade eine Wiederholung eines Titels ist sehr schwer. Im letzten Jahr lief es gut und da bin ich einfach gelaufen. Dieses Jahr schauen alle auf mich und wie meine Form ist.

S.Winter: Mit der Hochgrat-Skirallye findet zum ersten Mal ein Wettkampf direkt vor deiner Haustür statt. Hat da die Konkurrenz überhaupt eine Chance?
T.Steurer:Ich bin sehr froh, dass nun endlich ein Wettkampf in meiner Heimat stattfindet. Klar ist der Hochgrat einer meiner Trainingsberge, aber mit einer guten Form kann man auch an Bergen die man nicht kennt ein starkes Rennen laufen. Gerade Franz Graßl darf man hier nicht unterschätzen, da auch er ein ausgezeichneter Abfahrer ist. Nichts desto trotz möchte man gerade in seiner Heimat gewinnen und nicht nur 100 sondern 110 Prozent geben. Aber das kommt ganz auf die Form und daheim auch besonderst auf die Psyche an, ob man ganz oben oder gar nicht auf dem Potest steht.

S.Winter: Nicht nur in Deutschland, sondern auch international konntest du dich letztes Jahr sehr steigern. Worauf führst du das zurück?
T.Steurer: Ein sehr großer Trainingsumfang ist in dieser Disziplin enorm wichtig. Hierbei unterstützt mich die Bundeswehr im GebSanRgt 42 in Kempten schon seit 1998.
Ich befinde mich zwar nicht in einer Sportfördergruppe, aber wer kann schon behaupten, dass er während der Arbeitszeit zum Laufen gehen kann. Bei den letztjährigen Wettkämpfen lief es dann einfach besser als in den Jahren zuvor. Nach den ersten Weltcup-Rennen konnte ich feststellen, dass ich ohne Materialpanne mit den Besten mitlaufen konnte. Das stärkt den Kopf und man hat immer mehr Vertrauen in sich selbst. Gerade auch im Team mit meinem sehr starken Partner Franz Graßl machte es sehr viel Spaß. Wir ergänzten uns einfach super und verloren dadurch keine Zeit. Somit konnten wir einfach alles optimal ausschöpfen.

S.Winter: Du bist mit Jahrgang 1978 noch jung. Da kann man für die Zukunft sicher noch mehr erwarten. Welches sind aber zunächst die Ziele für 2006 im internationalen Renngeschehen?
T. Steurer: Ganz klar die WM. Beim Einzel- sowie Team- Wettkampf wäre eine Top Ten-Platzierung super. In der Staffel wäre eine Wiederholung des dritten Platzes wie bei der EM der Wahnsinn.
Ebenso haben die Weltcup-Rennen und die Patrouille des Glaciers, die ja nur alle zwei Jahre stattfindet, große Bedeutung. Gerade da wir in diesem Jahr eine echt starke Mannschaft mit Franz Graßl, Martin Echtler und mir haben, bin ich mir sicher, dass hier eine gute Zeit drin ist. Beides sind sehr starke Läufer.
Natürlich ist auch die Hochgrat-Skirallye wichtig und dann gibt es noch einen Titel zu verteidigen.

S.Winter: Wenn alles gut geht kannst du mit einem exzellenten Dreierteam die Patrouille des Glaciers laufen. Franz Graßl und Martin Echtler sind deine Teamgefährten. Welche Zeit meinst du ist möglich?
T.Steurer: Das ist ganz schwierig zu sagen. Ich halte ganz große Stücke auf beide Läufer. Alle zwei haben im Weltcup bewiesen, wie stark sie sind. Franz Graßl ist auch mein Partner in den Weltcup-Teamrennen und ihn bringt nichts aus der Ruhe.
Aber die Patrouille des Glaciers hat eigene Gesetze, sie ist einfach sehr lang und es kann immer einen Moment geben, wo einer blau läuft.
Es ist natürlich auch viel von den Witterungsverhältnissen abhängig, ob es wieder ganz schnelle Zeiten gibt.
Eine Traumzeit von mir wäre unter sieben Stunden und mit diesem Team bei guten Verhältnissen wäre dies durchaus möglich.

S.Winter: Nicht jeder weiß, dass du auch hervorragender Alpinist bist. So hast du schon mit 17 Jahren die Eiger Nordwand durchstiegen. Was wissen wir noch nicht von dir?
T.Steurer: Der Alpinsport ist meine große Leidenschaft. Ob es Fels-, Eis- oder Kombi-Klettern ist.
Wenn man das ganze noch mit Ski verbinden kann, ist es perfekt. Mir macht es einfach Spaß in der Natur zu sein, ganz auf sich und seinen Partner gestellt und fern ab von dem ganzen Tohuwabohu Neutouren zu erschließen oder schöne Routen zu wiederholen. So gelangen mir mit verschiedenen Partnern zahlreiche Erstbegehungen in Eis, Fels sowie Befahrungen einiger Steilwände. Die Schwierigkeiten im Eis gingen bislang bis zum siebten Grad und im Fels bis zum neunten Grad.
Früher und auch heute noch versuche ich schwere, kombinierte Wände in möglichst kurzer Zeit zu schaffen.
So gelang mir zusammen mit Walter Hölzler die Trilogie am Piz Palü in 23 Stunden und 40 Minuten. Hierbei fuhren wir von Sankt Moritz mit dem Fahrrad den Berninapass, stiegen über die Diavollezza-Hütte auf zum Westpfeiler. Diesen ging es hinauf und dann folgte ein Abstieg über die rechte Schulter, ein Aufstieg über den Bumillerpfeiler, ein Abstieg über den Normalweg, ein Aufstieg über den Ostpfeiler und wiederum der Abstieg über die Diavollezza- Hütte zum Berninapass. Mit dem Fahrrad ging es zurück zum Ausgangspunkt nach Sankt Moritz.

S.Winter: Zum Abschluss die Frage: Was war dein schönstes Erlebnis in einem Skitourenwettkampf?
T.Steurer: Jeder Wettkampf hat seine schönen Momente und wenn es gut läuft, so wie im letzten Jahr, dann hat man noch mehr. Aber das wohl schönste war das Einzelrennen bei der Europameisterschaft, als ich am letzten Berg merkte, dass es reicht und es ein sechster Platz wird und mich dabei noch Gogo anfeuerte mir im Ziel um den Hals fiel.
Das ist auch das Schöne bei uns in der Mannschaft, das gegenseitige Unterstützen und Freuen für jeden Einzelnen, selbst wenn es für einen selbst mal nicht so lief.
Gerade deshalb muss ich auch noch die Staffel bei dieser Europameisterschaft nennen, da wir mit einen Team an den Start gingen, das die letzten Jahre nicht stark zu sehen war und nun unter die ersten Drei lief - und das nicht nur bei den Herren, sondern auch bei den Damen. Die Freude in der gesamten Mannschaft war so stark, dass es nicht zu beschreiben ist. Es macht einfach Spaß in einer solchen Mannschaft zu sein.

Quelle
Stefan Winter, 31. Januar 2006
www.alpenverein.de

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