Karl Posch vom Austria Skitour Cup sprach Mitte Oktober mit dem österreichischen Spitzen-Skibergsteiger Andreas "Ringo" Ringhofer. Ringhofer ist seit Jahren eine Größe im österreichischen und im internationalen Tourenskisport. In den letzten zwei, drei Jahren ist "Ringo" vor allem dadurch aufgefallen, dass er bei internationalen Rennen gepunktet hat. Und natürlich dadurch, dass er sowohl 2004 als auch 2005 das mit rund 380 Finishern größte österreichische Tourenskirennen, das "Mountain Attack" in Saalbach, gewonnen hat. In der letzten Saison ist es nach der Österreichischen Meisterschaft, bei der Ringhofer den zweiten Rang erreichte, ruhig um den Österreicher geworden. Die Leistungskurve ging nach unten, man konnte sich keinen Reim darauf machen. Später wurde bekannt, dass Andreas schwere gesundheitliche Probleme hatte.

ASTC: Nach den Problemen des Jahres 2005 schaust Du wieder erfreulich gesund aus.
Andreas Ringhofer: Danke, mir geht's auch wieder wesentlich besser.

ASTC: Die wichtigste Frage, die viele Spekulationen hervorgerufen hat: Was war mit Dir in der letzten Saison los? Warum sind die Leistungen plötzlich eingebrochen und warum hat man so lange praktisch nichts von Dir gehört?
Andreas Ringhofer: In der letzten Vorbereitungsphase ab September 2004 hatte ich mit vielen Verletzungen und Erkrankungen zu kämpfen. Es lief einfach nichts nach Plan. Begonnen hat es mit ständigen Muskelentzündungen in beiden Beinen bis hin zu einem Sturz beim Training, wo ich mir drei gebrochene Rippen, eine Gehirnerschütterung, ein angesprengtes Schulterblatt und einen Bluterguss an der Leber zuzog. Natürlich stand trotz dieser Verletzungen das weitere Training im Vordergrund. Mit Schmerzmitteln wurde das Training fleißig weiter absolviert. Es standen ja wichtige Wettkämpfe, zum Beispiel die Mountain Attack-Titelverteidigung kurz bevor. Ich versuchte daher immer alles, um an den Wettkämpfen teilnehmen zu können. Somit gab ich auch meinem Körper keine Zeit, Verletzungen auszukurieren.
Beim Mountain Attack 2005 hatte ich die schwere Aufgabe, meinen Titel zu verteidigen, ich startete mit drei gebrochenen Rippen und sonstigen körperlichen Gebrechen. Ich konnte zwar wieder gewinnen, doch mit was für einem enormen Aufwand. Von dort an ging es nur noch bergab. Bei den ÖM in Stainach am Brenner begann der Einbruch - keine Leistung mehr!
Ich glaubte zu diesem Zeitpunkt, dass sich dieser Erschöpfungszustand von alleine wieder bessern würde. Doch so kann man sich täuschen. An gute Leistungen war nicht mehr zu denken. Nach einer sehr schlechten Saison wollte ich eigentlich so schnell wie möglich wieder fit werden. Alles andere war unwichtig. Für mich gab es nur ein Ziel, ich wollte wieder der "Alte" werden.
Der momentane Stand der Dinge ist aber der, dass ich meine alte Leistungsfähigkeit noch lange nicht erreicht habe.

ASTC: Solche körperlichen Rückschläge werden bei einem Leistungssportler wohl kaum ohne psychische Probleme abgehen. Wie ist es Dir da ergangen?
Andreas Ringhofer: Mit psychischen Problemen hatte ich natürlich auch zu kämpfen. Der Gedanke, dass man vielleicht nie mehr körperliche Höchstleitungen bringen könnte, machte mir zu schaffen. Die Ärzte gaben mir aufgrund meiner bestehenden Probleme keine Garantie für eine rasche Genesung. Der Faktor Zeit spielte dabei eine große Rolle.

ASTC: Aber jetzt schaust Du sehr gut aus. Hast Du die Niederschläge völlig verdauen können und trainierst Du schon wieder?
Andreas Ringhofer: Mit zehn Kilogramm Übergewicht schaut man super aus! Ich trainiere natürlich wieder. Von einem spezifischen Training kann man jedoch nicht reden. Schnelle Trainingseinheiten sind noch tabu.

ASTC: Wie wichtig war und ist der persönliche Hintergrund mit Familie, also Gattin Sabine und Tochter Sarah, auf dem Weg zurück?
Andreas Ringhofer: Meine Familie ist mir das "Wichtigste" überhaupt. Meine Frau und meine Tochter hatten es in der letzten Zeit sicher nicht leicht mit mir. Ich durfte nicht mehr trainieren. Also war Spazierengehen angesagt. Meiner Husky-Dame namens "Alischa" hat das sehr gefallen.

ASTC: Was heißt das alles nun für die "Angriffsplanung" für die kommende Saison? Gibt's für Dich diesen Winter schon wieder ehrgeizige sportliche Ziele oder steht vorerst die völlige Genesung im Vordergrund?
Andreas Ringhofer: Es gibt keinen Angriffsplan. Man wird sehen was kommt. Die Konkurrenz kann sich freuen: So leicht wird man einen Ringhofer nie mehr wieder bezwingen können! Ich schaue bereits voraus, da ich damit rechnen muss, erst in der Saison 2006/2007 wieder voll fit zu sein. Das ist zumindest die Argumentation des behandelnden Arztes Professor Greilberger aus Graz.

ASTC: Ein Zurücknehmen der Leistung hat für Dich heuer zumindet zwei sehr schwierige Aspekte: Da ist erstens der zweimalige Mountain Attack-Sieg und dann die Österreichische Meisterschaft in deinem Trainingsgebiet, dem Dachstein. Fühlst Du Dich da als Gejagter? Und wenn ja, wie gehst Du mit diesem Druck um?
Andreas Ringhofer: Ich verspüre momentan keinen Druck. Warten wir ab was kommt. Ich lasse mich überraschen.

ASTC: Du bist ein Kämpfer. Der Name Ringhofer wird in Zukunft sicher wieder ganz vorne zu finden sein. Für die kommende Saison warten wir ab. Bist Du in einem Team integriert? Welche Partner und Sponsoren ermöglichen Dir denn 2005/2006 Deine sportlichen Ambitionen?
Andreas Ringhofer: Ja, ich bin ein Kämpfer. Ob ich jedoch schon in der kommenden Wettkampfsaison auf den Ergebnislisten ganz vorne zu finden sein werde, steht noch in den Sternen.
Hinsichtlich Sponsoring werde ich seit zwei Jahren von Red Bull unterstützt. In einem eigenen Trainingszentrum werde ich unter der Leitung von Dr. Pansold bestens betreut. Auch bei gesundheitlichen Problemen. Neben Atomic, Swix und Ortovox werde ich noch von heimischen Betrieben unterstützt.

ASTC: Eine Frage in eigener Sache: Du kennst den Dachstein wie Deine Westentasche. Wie siehst Du das am 18. März 2006 geplante alpine Tourenskirennen "Dachstein Xtreme"? Wir tragen bei diesem Wettbewerb unter anderem ja die Österreichische Meisterschaft und das Finale des Europacups der UIAA/ISMC aus. Das Rennen ist zweifellos das spektakulärste, was Österreich je gesehen hat. Wie beurteilst Du es - Strecke, Länge, Schwierigkeit, internationaler Vergleich?
Andreas Ringhofer: Ich hoffe, dass das Rennen problemos stattfinden wird und freue mich darauf. Ich sehe in der Streckenführung grundsätzlich sicher einige Probleme: Sehr viele schwierige Tragepassagen im Fels auf versicherten Klettersteigen, welche natürlich im Winter erschwert begehbar sein werden. Die Absicherung dieser Passagen stellt hohe Anforderungen. Die gesamte Strecke ist natürlich auch sehr witterungsabhängig. Dieser geplante Wettkampf erinnert mich an den Dachstainraid, welcher ja nicht mehr organisiert wird.

ASTC: Wie beurteilst Du generell die internationale Entwicklung des Skibergsteigens? Und wo entwickelt sich Deiner Meinung nach der Sport in Österreich hin?
Andreas Ringhofer: In Österreich zählt nur der Alpine Skisport. Zu diesem Thema möchte ich mich jedoch nicht äußern. Ich muss mich dabei nur ärgern.

ASTC: Hat Österreich im internationalen Vergleich Chancen und Potenziale, ganz vorne mitzumischen? Sowohl bei Veranstaltungen als auch bei den Sportlern?
Andreas Ringhofer: Potenzial wäre genug vorhanden. In Österreich gibt es Topathleten. Sportskanonen wie Stock, Mandl, Lugger, Kogler, Verbnjak, Fischbacher, Hornegger und andere mehr scharren bereits in den Startlöchern. Jedoch müsste alles besser organisiert werden. Auch müsste man endlich in Verbindung mit einem Dachverband eine schlagkräftige Nationalmannschaft gründen. Ansonsten sehe ich in Österreich keine Chance für diesen Sport.
Es ist nahezu lächerlich, dass man in Österreich, der Alpinnation Nummer eins, so etwas nicht zustande bringt. Aber bitte: Fahren wir lieber mit dem Lift bergwärts, sauf ma uns dann regelmäßig beim Après-Ski einen an und fahren alkoholisiert auf den stark frequentierten Skipisten talwärts. Derartige "Sportler" sind nämlich immer wieder gern gesehene Gäste und stören niemanden. Mittlerweile gibt es nämlich zu den Nachtzeiten auf den Skipisten mehr angesoffene Skifahrer, als "Aufigeher". Mit Aufigeher meine ich Menschen die nach der Arbeit eine körperliche Ertüchtigung suchen und ihren Körper in unserer schönen Natur fit halten.

ASTC: Dann darf ich mich für das Gespräch bedanken und Dir alles Gute für die Saisonvorbereitung wünschen. Schau, dass Du ganz gesund wirst und dann bring uns wieder gute Vorstellungen bei Tourenskirennen!
Andreas Ringhofer: Auch ich bedanke mich und ich wünsche allen Bergsportlern eine erfolgreiche und schöne Saison 2005/2006 mit einem kräftigen Berg Heil!

Quelle
Austria Skitour Cup