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Wandern ohne Sorgen: So schützt ihr euch vor Schlangenbissen

12. Juli 2016 | Fabian von Poser

Schlange Hornotter - ©Elena Terkel_Wikimedia

Europäische Hornotter

Copyright: Elena Terkel_Wikimedia

Die bloßen Fakten können einem schon Angst machen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jedes Jahr weltweit rund fünf Millionen Menschen von einer Schlange gebissen werden, etwa 100.000 Menschen sterben daran. Und ja, auch die Alpen und das Mittelmeer sind Schlangenregionen. Einige sehr giftigste Arten leben hier, zum Beispiel die Europäische Hornotter. Die bis zu einen Meter lange und in Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien und Griechenland vorkommende Schlange ist eine der giftigsten Europas. Ihr nerven- und gewebezerstörendes Gift verursacht nicht nur extrem schmerzhafte Bissstellen und Gewebeschäden, sondern tötet auch Nerven ab. Gerade bei Kindern und älteren Personen werden immer wieder Todesfälle registriert.

Doch auch das muss man sagen: Die allerwenigsten Wanderer bekommen überhaupt eine Schlange zu Gesicht. Dass die Hornotter plötzlich im Zelt auftaucht oder in Afrika eine extrem giftige Schwarze Mamba den Kopf aus der Toilettenschüssel streckt - diese Fälle gibt es. Aber sie sind sehr selten. "Ein Schlangenbiss ist bei Touristen ein seltenes Ereignis. So etwas betrifft hauptsächlich Einheimische", sagt Professor Dr. Dietrich Mebs, Toxikologe aus Frankfurt. Denn wer gewisse Verhaltensregeln befolgt, der kann das Risiko von einer Schlange gebissen zu werden, nahezu gänzlich ausschließen.

Grundsätzlich gilt: Auch wenn das Klima dazu verleitet Sandalen und kurze Hosen zu tragen, sollte man bei Wanderungen durch unbekanntes Gelände festes Schuhwerk und lange Hosen tragen. Allein dadurch kann man einen Schlangenbiss so gut wie ausschließen. "Feste Schuhe und lange Hose können lebensrettend sein, denn 90 Prozent aller Bisse gehen in die unteren Extremitäten", sagt Mebs. "Außerdem sollte man darauf achten, wo man sich hinsetzt, hinlegt und sich in unübersichtlichem Gelände mit besonderer Aufmerksamkeit zu bewegen."

Steht man doch einmal einer Schlange gegenüber, heißt es, Ruhe bewahren. Statt mit den Armen zu fuchteln oder zu schreien sollte man ruhig stehen bleiben. Wer entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch gebissen wird, für den gibt es eigentlich nur eine Regel: sofort ab ins nächste Krankenhaus. Während des Transports bringt man den Betroffenen idealerweise in eine liegende Position, damit sein Kreislauf herunterfährt, und legt die gebissene Stelle hoch. Dazu heißt es: viel trinken, aber keinen Alkohol und keine Zigaretten. Was die Behandlung der Bissstelle angeht, hält Toxikologe Mebs nichts von großem Firlefanz. "Man sollte keine Zeit mit ihrer Manipulation vertrödeln. Es hilft nichts anderes, als den Patienten möglichst schnell zum Arzt zu bringen." Und, da sind sich Experten einig: Auf keinen Fall sollte man die betroffene Stelle anschneiden und das Gift herausdrücken.

Die Europäische Hornotter schaut gefährlich aus - zu sehen bekommt man sie auf Tour aber nur sehr selten - ©Benny Trapp_Wikimedia

Die Europäische Hornotter schaut gefährlich aus - zu sehen bekommt man sie auf Tour aber nur sehr selten

Copyright: Benny Trapp_Wikimedia

Mebs rät selbst von frei erhältlichen Hilfesets ab, mit denen man das Gewebe anritzt und so Lymphe und Blut zum Abfließen bringt. Das bringe gar nichts, sagt der Toxikologe. Im Gegenteil, es sei eher kontraproduktiv. "Denn jede Verletzung erlaubt dem Gift, schneller ins Gewebe einzudringen. Bei manchen Vipern kommt es zur Ungerinnbarkeit des Blutes. Macht man einen Schnitt, kann man leicht daran verbluten." Immer wieder empfohlen werden auch so genannte Extraktoren, die wie eine Vakuumpumpe funktionieren und das Gift angeblich aus dem Körper saugen. "Aber mit solchen Maschinen lässt sich kein Gift entfernen", sagt Mebs. "Das Gift ist im Gewebe gebunden und kann nicht herausgedrückt werden." Und was nicht gebunden ist, fließt über das lymphatische System schnell in den Blutkreislauf.

Einige Ärzte empfehlen bei besonders gefährlichen Schlangen, die Nervengift injizieren - in Afrika zum Beispiel Schwarze Mamba, die Kap-Kobra und die Korallenschlange -, das betroffene Körperteil sofort abzubinden. "Das kann man machen", sagt Mebs. "Doch hält der Betreffende dies vielleicht 15 Minuten lang aus, dann öffnet er wegen der enormen Schmerzen durch das Abbinden die Ligatur von selbst."

Wie sinnvoll ist es, bei Touren in abgelegenen Gegenden ein Schlangenserum mitzunehmen? Nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich, warnen Ärzte. "Antiseren bekommt man nur sehr schwer und sie müssen ständig bei zirka vier Grad aufbewahrt werden", sagt Mebs. Das größte Problem aber sei es, dass der Laie nicht in der Lage ist, das Antiserum zu spritzen. "Dies muss intravenös geschehen und kann nur von einem Arzt vorgenommen werden - inklusive der Vorbeugung gegen Serum-Reaktion wie einen anaphylaktischen Schock." Denn wer nicht ganz sicher weiß, welche Schlange ihn gebissen hat, der injiziert womöglich ein falsches Gegenmittel, das zu einer allergischen Reaktion auf das Eiweiß im Serum führen kann, die in einigen Fällen lebensbedrohlich ist.

Und was gilt es bei einem Biss sonst zu beachten? Ideal ist es, wenn man sich erinnern kann, wie die Schlange aussah, die einen gebissen hat. Das kann wichtige Anhaltspunkte dafür geben, ob das Tier giftig war und welche Art von Gift es möglicherweise injiziert hat - denn davon hängen ganz entscheidend die Erste-Hilfe-Maßnahmen ab. Übrigens zur Beruhigung: Bei jedem zweiten Biss einer Giftschlange injiziert das Tier überhaupt kein Gift. Experten sprechen dann von einem "trockenen Biss".

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