Vulkantrekking auf Bali: Sonnenaufgang auf dem Mount Batur

25. August 2016 | Sebastian Lindemeyer | Bergleben.de

Sonnenaufgang am Mount Batur (Bali) - ©Sebastian Lindemeyer

Sonnenaufgang am Mount Batur (Bali)

Copyright: Sebastian Lindemeyer

Um 1:30 Uhr stehen wir vor dem Watergarden Hotel in Candidasa auf Bali und gähnen um die Wette. Mehr als zwei Stunden Schlaf waren es nicht heute Nacht, da kann man schon mal müde sein. Nicht nur die Aufregung, sondern auch Frösche, Vögel und sonstiges Getier hat uns (wie auch in den Nächten zuvor) vom Tiefschlaf abgehalten. Und so stehen wir nun da, müde, in provisorischer Wanderausrüstung (unsere Wanderschuhe und Wanderhosen haben wir nicht bis nach Bali transportiert) und steigen in das Auto des Fahrers von Bali Volcano Trekking, bei denen wir zwei Tage zuvor eine nächtliche Tour auf Balis Mount Batur gebucht haben. "Gähn, na hoffentlich lohnt sich das auch...", raunt Tina mir zu.

Das wird es, bin ich mir sicher. Und beginne, langsam in den Halbschlaf zu verfallen, während wir von Candidasa an der Padang Bay vorbei über Klunkung ins Landesinnere fahren. Dort, im Norden von Bali und fast zwei Autostunden von Candidasa entfernt, türmen sich die Vulkane Balis gen Himmel. Der höchste von ihnen ist der Agung, knapp über 3000 Meter hoch. Ihn zu besteigen, sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Tour ist deutlich länger und anstrengender als die auf den Batur, der niedriger und auch für ungeübte Wanderer kein Problem ist. Tina ist jetzt nicht gerade geübt und wandern zählt auch nicht unbedingt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, daher bin ich froh, dass ich sie zumindest zum frühen Aufstehen und den Batur-Ausflug überreden konnte.

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Zu allem Übel, im wahrsten Sinne des Wortes, wird ihr im Auto schlecht. Ob es an dem fehlenden Schlaf liegt, dem balinesischen Essen am Abend, der durchaus rasanten Fahrweise des immer lächelnden Fahrers oder an der Aufregung? Keine Ahnung. Wenige Kilometer vor unserem Ziel müssen wir auf jeden Fall kurz pausieren, irgendwo im Nirgendwo an einer staubigen Straße in der Dunkelheit. Doch zum Glück geht die Übelkeit vorbei und wir legen die letzten Kilometer, zum Teil über extrem schlechte und löchrige "Straßen", zu unserem Startpunkt zurück. Irgendwo östlich des Batur und westlich des Danau Batur Sees landen wir auf einem mülligen und dreckigen Parkplatz, wo zahlreiche Guides auf ihre Gäste warten. Schnell und hektisch geht es zu, zudem ist es dunkel und wir haben keinen richtigen Durchblick: Wir werden unserem Führer ("Abey") vorgestellt, schnappen uns Taschenlampen, Trekkingstöcke und unseren Rucksack und schon geht es los. Durch die Dunkelheit würde man ohne Führer den Weg wohl kaum finden, denn Beschilderung gibt es keine.

Abey, der zunächst recht still ist und wenig redet, taut langsam auf. Und auch wir werden langsam wach und treiben den Puls nach oben. Zwei bis drei Stunden dauert die Tour auf den Gipfel, erzählt er uns, und dass wir früh dran wären und uns auf keinen Fall hetzen müssen. Das ist gut, denke ich, wenn ich jetzt noch anfange, Tina zu hetzen, wird es ungemütlich.

Der Weg geht zunächst gemäßigt aus dem kleinen Dorf heraus, in dem unser Fahrer die nächsten Stunden in seinem Auto auf uns warten wird. Gemütlich stapfen wir hinter Abey her, der gut englisch spricht und uns ein guter Führer ist. An rutschigen Stellen warnt er uns, sein Schritt ist gemütlich, aber stetig, so wie ein Bergführer gehen sollte. Nach 15 Minuten stapfen wir auf dem staubigen Pfad in den Wald hinein, der sich an den östlichen Hängen des Batur hinaufzieht.

Der Batur ist ein noch aktiver Vulkan, erzählt uns Abey. Zuletzt gab es in den Jahren 1999 und 2000 Ausbrüche und Eruptionen, also gar nicht so lang her. 2009 bebte der Batur mehrfach. Wir malen uns schon aus, wie wir am Kraterand von einem Lava-Strom überrollt werden, aber dazu sollte es zum Glück nicht kommen.

Wir kommen gut voran, Tina schlägt sich super. Ab und zu legen wir kleine Pausen ein, trinken und lauschen den Umgebungsgeräuschen im Wald. Unweit entfernt klettert eine Ratte auf einem Baum herum, sogar einen oder mehrere Bawean-Hirsche soll es hier geben, erzählt Abey. Aber er hätte erst einmal einen gesehen, lacht er. Aktuell ist Hauptsaison auf Bali und Abey geht die Tour auf den Batur jeden Morgen, über Monate hinweg. Trotzdem hat er noch Spaß daran, sagt er, und lacht. Wie alle Balinesen lacht er gerne und ist stets gut gelaunt, auch wenn er morgens um 4 Uhr zum tausendsten Mal einen gerölligen Hang hinauf wandert. Nach ca. 1:20 Std. Gehzeit verlassen wir den Dschungel, überqueren die Baumgrenze und haben freien Blick auf die Sterne. Was für ein Anblick! Schon nach fünf Sekunden sehe ich die erste Sternschnuppe, einen "falling star". Abey zeigt Richtung Berg und dreht sich wieder zu uns, um etwas zu sagen, da sehe ich im Hintergrund gleich die nächste Sternschnuppe, ein breiter und heller Streif, der sich einmal über den kompletten Himmel hinter dem sich im Mondlicht abzeichnenden Gipfel zu ziehen scheint. Und dazu: Stille!

Eine solche Ruhe findet man auf Bali nur ganz selten. Bei gefühlt einer Million Motoroller, die die Luft auf der Insel mit ihren knatternden Motoren verpesten, ist das kein Wunder. Umso begeisterter sind wir von dem Moment, hier unter dem unglaublichen Sternenhimmel und fallenden Schnuppen.

Noch sind wir ganz vorn in der Schlange der Aufsteigenden, doch etwas unter uns sieht man bereits die nächsten Gruppen aufschließen. Die Lichtkegel ihrer Lampen sind hintereinander aufgereiht und bewegen sich langsam auf uns zu. Wir lassen es gemütlich angehen und zwei Gruppen passieren, trotzdem sind wir sehr früh und nach etwa zwei Stunden Gehzeit am Gipfel des Batur. Die letzte halbe Stunde ist der Weg steil, steinig, mit vielen Stufen und dementsprechend anstrengend. Aber wenn man nicht hetzt, und das tut unser Guide Abey nicht, ist der Weg für (fast) jeden zu schaffen. Um 5:15 Uhr sind wir am Gipfel, wo eine kleine Wellblechhütte aufgebaut ist und uns sofort ein Cola-Verkäufer eine Dose aufschwatzen möchte. Wir lehnen dankend ab, nehmen aber gerne von Abey einen Kaffee und eine heiße Schokolade entgegen. Die balinesischen Führer kochen nämlich für ihre Gäste hier oben Kaffee, Tee oder Schokolade - und zwar ohne Strom oder Brennmittel. Genutzt wird dafür die Hitze des Vulkans: Aus mehreren Löchern strömt hier oben heißer Dampf, der kanalisiert wird und somit heiß genug ist, um Eier zu kochen. Dieses Ritual, den Gästen Eier im vulkanischen Dampfgar-Ofen zuzubereiten, gehört bei der Tour auf den Batur einfach dazu. Und so wird uns nach etwas Wartezeit im kalten Wind (einen dicken Pullover und/oder Jacke sollte man auf jeden Fall dabei haben!) ein Frühstück mit Toast, gebackener Banane (die wurde allerdings nicht dort oben zubereitet) und vulkanisch gegartem Ei serviert. Ganz lecker, allerdings hält sich morgens um halb 6 unser Hunger einigermaßen in Grenzen.

Nach und nach trudeln immer mehr Wandergruppen am Gipfel ein. Alleine genießt man den Sonnenaufgang hier wohl nie. Überhaupt ist Bali mittlerweile ein sehr touristisches Reiseziel: Tempel, Sehenswürdigkeiten, Strände und selbst Berggipfel - immer sind Scharen von Touristen da. Und mit ihnen natürlich auch viele Balinesen, die an den Besuchern Geld verdienen wollen. Trotz der etwa 100 Menschen auf dem Gipfel (nochmal so viele stehen gegenüber am Kraterrand auf der nächsten Erhebung), ist das Erlebnis, als sich die Sonne langsam am Horizont zu zeigen beginnt, imposant. Erst jetzt erkennt man langsam die Umgebung, erhascht erste Blicke auf den wunderschönen Lake Batur. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen das Gesicht und klar, jeder der hier oben steht, macht Fotos und Selfies. Eine gelöste Stimmung macht sich breit, alle sind entspannt und gut drauf. Und das Panorama, mit Blicken über den Krater bis zum Meer und sogar bis zum 3726 Meter hohen Rinjani auf der Nachbarinsel Lombok, ist einzigartig. Ein magisches Gefühl, dass man bei einem Sonnenaufgang auf einem stillen Alpengipfel erlebt, auf dem man ganz alleine steht, kommt hier zwar nicht auf, dennoch ist dieser Moment mit Sicherheit ein Highlight jeder Bali-Reise.

 

Langsam schiebt sich die Sonne über den Horizont - ©Sebastian Lindemeyer

Langsam schiebt sich die Sonne über den Horizont

Copyright: Sebastian Lindemeyer

Um kurz vor sieben Uhr hat sich die Sonne langsam nach oben gekämpft und wir starten den Weg hinab. Am Kraterrand gehen wir einen anderen Weg hinab, als wir gekommen sind. Es geht steil auf rutschigem Geläuf hinab, viele Urlauber haben hier oben Standprobleme, die aber meist auf das Schuhwerk zurückzuführen sind. Richtige Wanderschuhe tragen hier nämlich nur die Wenigsten. Und so dauert es eine ganze Weile, bis die Gruppen wie an einer Schnur aufgereiht den ersten Abschnitt hinter sich gebracht haben. Abey nutzt die Chance und erzählt uns viel über vergangene Ausbrüche der Vulkane auf Bali, zeigt uns die Lavaströme an den Hängen, erklärt uns die Gebetsrituale der Hindus hier am Berg und erläutert uns auf Nachfrage sogar einige Feinheiten des Bildungs- und Steuersystems auf der Insel.

Nachdem wir am unteren Rand des Kraters auch einige Affen sehen, steigen wir in einer knappen Stunde ab bis zum Parkplatz. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Abey bringt uns der Fahrer zurück nach Candidasa, allerdings nicht, ohne nochmal einen Stopp auf einer Kaffeeplantage einzulegen. Auch das gehört bei den meisten Anbietern wohl zum Standardprogramm. Uns gefällt der Besuch als Abschluss der Tour eigentlich ganz gut, denn man kann kostenlos verschiedene Kaffeesorten probieren, bekommt eine kurze Führung und auch einiges erklärt, zum Beispiel auch wie der berühmte Luwak Kaffee entsteht. Am Ende wird man natürlich in den Shop gelotst, kaufen muss man allerdings nichts.

Unser Fazit: Die Tour auf den Batur ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Der Sonnenaufgang ist beeindruckend, mit dem richtigen Guide kann man auch viel über die Region und die Vulkane lernen. Romantisches Bergfeeling kommt aufgrund der Massen an Menschen im Tal und auf dem Gipfel zwar nicht auf, dennoch würden wir die Tour weiterempfehlen.

 

Nach der nächtlichen Tour ein Blick zurück auf der Batur am Morgen - ©Sebastian Lindemeyer

Nach der nächtlichen Tour ein Blick zurück auf der Batur am Morgen

Copyright: Sebastian Lindemeyer

Hier noch ein paar Infos:

Anbieter & Preis: Auf Bali wird euch an jeder Ecke die Batur-Wanderung angeboten, es gibt dutzende Anbieter. Wir haben uns aufgrund verschiedener Bewertungen im Internet für Bali Volcano Trekking entschieden und waren zufrieden. Der Guide war nett und zuvorkommend, der Fahrer ebenfalls. Für einen Preis von 50€ pro Person wird man überall auf der Insel abgeholt und wieder hingebracht, hat einen eigenen Guide (und geht nicht in einer größeren Gruppe), bekommt eine eigene Lampe, Stöcke, Wasser, Frühstück, usw... Man kann die Tour mit etwas Verhandlungsgeschick auch für 20 Euro p.P. bekommen, dann ist die Gruppe allerdings größer und es kann sein, dass nicht jeder eine Taschen- oder Kopflampe bekommt (was auf dem Weg manchmal unangenehm werden kann).

Auf eine Übernachtung im Dorf Kilimanti und das Gehen ohne Guide solltet ihr verzichten, hier liest man von unangenehmen Situationen vor Ort. Es scheint sogar eine Art Batur-Mafia zu geben, die alles am Berg kontrolliert und verhindern möchte, dass Touristen auf eigene Faust losziehen.

Dauer und Höhenmeter: Man geht etwa 2/2,5 Stunden bergauf und legt dabei 600 bis 700 Höhenmeter zurück. Der Weg ist einfach und ohne größere Schwierigkeiten, allerdings im oberen Abschnitt relativ steil. Der Abstieg ist aufgrund des rutschigen Wegs etwas gefährlicher als der Aufstieg.

Benötigte Ausrüstung: Feste Schuhe (keine Flip-Flops!), Pullover/Jacke und lange Hose, Kamera, Sonnencreme, evtl. Wasser und Wanderstöcke (wenn nicht vom Guide gestellt), Sonnenbrille

Wetter: Macht die Tour nur bei gutem Wetter! Ist es bewölkt oder gar regnerisch, macht diese Wanderung nur wenig Sinn.

 

Hier lest ihr noch weitere interessante Berichte über die Tour:

- http://my-road.de/gunung-batur-vulkan-trekking-bali/

- https://indojunkie.com/ueber-daecher-balis-trekking-tour-auf-gunung-batur/

- http://globusliebe.com/bali-sonnenaufgang-vulkan/

 

 

 

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