Auf Hochtour – die Vorbereitung ist das A und O

20. Dezember 2017 | Bergleben.de

Bei einer Hochtour ist die richtige Ausrüstung sehr wichtig, genauso wie die Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen. - ©© rottonara (CCO public domain)

Bei einer Hochtour ist die richtige Ausrüstung sehr wichtig, genauso wie die Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen.

Copyright: © rottonara (CCO public domain)

Viele Outdoor-Fans möchten vor allem eines: eins werden mit der Natur. Wer sich auf eine Hochtour begibt, also einen 3000er oder 4000er besteigen möchte, kommt diesem Traum dabei ziemlich nahe. Abgesehen davon ist es natürlich eine enorme sportliche Herausforderung, einen Berg zu besteigen, der sich in Höhen ganzjähriger Eisdeckung befindet. Nicht umsonst gelten Hochtouren als die Königsdisziplin beim Bergsteigen. Gipfel in solch eisigen Höhen zu erklimmen, erfordert gleich mehreres: alpine Erfahrung, körperliche Fitness, gute Vorbereitung und die richtige Ausrüstung. Hochtouren sind häufig sehr anspruchsvoll und bergen entsprechende Risiken. Die gängigen Sicherungs- und Bergetechniken sollten Kletterer in diesen Höhen mindestens beherrschen. Wer sich gut vorbereitet, wird am Ende mit einem einzigartigen Erlebnis belohnt.

Die Ausrüstung für die Hochtour: Steigeisen, Eispickel und Co.

Dass für eine Hochtour ein bisschen mehr Ausrüstung notwendig ist, sollte jedem klar sein. Zur Grundausstattung gehören stabile und hochgeschlossen Schuhe und der Eispickel. Steigeisen sind immer dann erforderlich, wenn nicht genügend Schnee auf den Gletschern liegt. In diesem Fall helfen die spitzen Zacken, Halt auf dem Eis zu finden. Mit einem Eispickel ist die Grundausrüstung für eine Hochtour komplett. Er ist notwendig, um auch an Steilhängen sicher voranzukommen. Bei Spaltenbergungen ist er als zusätzliche Sicherheit eine große Hilfe. Die Bergstiefel müssen steigeisenfest sein, normale Wanderschuhen reichen also nicht aus. Ein steigeisenfester Schuh ist daran zu erkennen, dass er besonders steif ist und an der Sohle Haltepunkte für die Steigeisen hat.

Steigeisen sind für eine Hochtour unerlässlich. Das Gehen damit sollten die Teilnehmer vorher ausreichend üben. - ©Pixabay © Gipfelsturm (CCO public domain)

Steigeisen sind für eine Hochtour unerlässlich. Das Gehen damit sollten die Teilnehmer vorher ausreichend üben.

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Auch die Kleidung ist wichtig: atmungsaktiver Zwiebellook

Wanderkleidung sollte immer atmungsaktiv und dabei wind- und wasserfest sein. Wer bereits in den frühen Morgenstunden aufbricht, sollte sich nach dem Zwiebelprinzip kleiden. Früh morgens ist es noch sehr kalt. Wenn später die Sonne aufgeht, ist es damit möglich, die eine oder andere warme Schicht auszuziehen, um nicht unnötig ins Schwitzen zu geraten. Wenn es beim Start schon warm ist, gehört die warme Jacke oder der Fleece unbedingt in den Rucksack. Wetterumschwünge gehen im Gebirge manchmal sehr schnell. Außerdem gehören natürlich Mütze und Handschuhe dazu. Um die Augen auf dem Gletscher vor Schneeblindheit zu schützen, ist eine Gletscherbrille oder eine entsprechende Sonnenbrille unerlässlich. Ebenso gehören ausreichend Proviant und Wasser in den Rucksack.

Die alpine Grundausbildung

Für alle, die noch nie eine Hochtour gegangen sind, gibt es alpine Grundkurse, die in Feld und Eis stattfinden. Dabei lernen die Teilnehmer von erfahrenen Bergsteigern, wie Selbst- und Partnersicherung funktionieren, was ein Halbmastwurf oder ein Anseilknoten ist. Auch wie die Steigeisen einzusetzen sind und Wetter- und Geländekunde sind Thema während eines solchen Kurses. Vor allem das Eis birgt viele Gefahren beim Klettern, hier kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Laut Bergunfallstatistik 2016 des Deutschen Alpenvereins kommt es bei Hochtouren immer wieder zu Unfällen, wobei die Zahl der Bergungen unverletzter Sportler steigt.

Notfallübungen – Spaltensturz und Bergungstechnik

Um im Notfall vorbereitet zu sein, gehören die Themen Spaltensturz, Stürzen und Bremsen im Gletscher sowie Bergungstechnik ebenfalls zum Kursumfang. So wissen die Bergsteiger von Anfang an, wie sie im Notfall reagieren müssen. Diese Kurse bieten die Alpenvereine normalerweise lokal an. Auch Bergführer vor Ort stehen für solche Einführungen zur Verfügung. Die Ausbildungen gewährleisten ein gewisses Maß an Sicherheit für die Hochtour. Wichtig ist auch, die Techniken nach dem Kurs immer wieder zu üben. Kommt es zu einem Unfall, ist schnelles Reagieren sehr wichtig, die gelernten Techniken müssen sofort abrufbar sein. Auch das Gehen mit dem Steigeisen will gelernt und geübt sein. Ungeübte können hier sehr leicht ins Stolpern geraten, sich selbst auf die Füße treten oder sich mit den Zacken in ihren Hosen verfangen.

Essenzielle Voraussetzung: die körperliche Fitness

Theoretisches Wissen ist gut. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Gipfelbesteigung sind jedoch vor allem die körperliche Fitness und die Leistungsfähigkeit. Gute körperliche Fitness ist ein wirksamer Schutz vor Unfällen. Insbesondere für den Abstieg, wenn der Körper von der Anstrengung schon ermüdet ist, ist eine gute körperliche Fitness wichtig. Mit dem Konditionsaufbau sollten die Kletterer schon vor der geplanten Tour beginnen. Dazu sind fast alle Ausdauersportarten geeignet, wie beispielsweise Bergwandern, Jogging, Radfahren, Skilanglauf, Schwimmen oder Nordic Walking. Um für eine Hochtour, die in der Regel sechs bis zwölf Stunden dauert, vorbereitet zu sein, sind zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mindestens notwendig. Die Einheiten sollten nicht kürzer als 30 Minuten sein. Die Trainingsintensität sollte bei 65 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen. Wie sich die maximale Herzfrequenz ermitteln lässt, steht beispielsweise in der Apotheken-Umschau. Es gehört zur optimalen Vorbereitung, die Belastung langsam zu steigern und entsprechende Ruhetage einzuhalten.

Kurz vor der Tour: ausreichend akklimatisieren

Um nicht höhenkrank zu werden, sind einige wichtige Verhaltensweisen zu beachten. Zum einen hilft es, schon einige Tage vor der Tour vor Ort zu sein. So kann sich der Körper langsam an die Höhe anpassen. Außerdem sollten in den Tagen vor der großen Tour, ein paar kleinere Touren in 2500 bis 3500 Meter Höhe auf dem Programm stehen. Zusätzlich hilft es, in circa 2500 Meter Höhe zu übernachten, um den Körper zu akklimatisieren. Dabei ist es unerlässlich, dass jeder die Höhenmeter selbst bewältigt wird. Eine Fahrt in der Seilbahn ist dabei wenig hilfreich. In der Höhe muss man deutlich mehr trinken, da der Körper mehr Flüssigkeit benötigt. Schon an den beiden Tagen vor eurer Tour könnt ihr damit anfangen, um den Wasserhaushalt aufzufüllen und den Körper für den Tag der anstrengenden Tour zu wappnen. Weitere Tipps für eine gesunde Akklimatisation hat das Tropeninstitut zusammengestellt. Hier lässt sich auch nachlesen, wie die Symptome der Höhenkrankheit aussehen und was im Notfall zu tun ist.

Tipp – Seilschaftspartner suchen

Wer eine Höhentour plant, sollte sich immer Seilschaftspartner suchen und nie alleine losgehen. Am besten ist eine Dreierseilschaft. Denn, sollte es zu einem Spaltensturz kommen, ist die Wahrscheinlichkeit, den Sturz zu halten, zu dritt größer als zu zweit. Für Anfänger ist es zu empfehlen, sich einer größeren Gruppe mit erfahrenen Bergsteigern anzuschließen. Sie wissen aus Erfahrung, wie bei einem Sturz zu reagieren ist, können den Sturz stoppen und dem Gestürzten helfen, aus der Spalte wieder herauszukommen. Hier macht sich die alpine Grundausbildung ebenfalls bemerkbar, wenn die Teilnehmer wissen, wie sie reagieren müssen.

Viele nützliche Tipps zum Höhenbergsteigen bekommt ihr auch in unserem Themenspecial.

Der Eispickel ist ein wichtiges Gerät, das im Notfall hilft, einen Sturz zu bremsen. - ©Pixabay © Simon (CCO public domain)

Der Eispickel ist ein wichtiges Gerät, das im Notfall hilft, einen Sturz zu bremsen.

Copyright: Pixabay © Simon (CCO public domain)

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